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Wikinger
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Als Wikinger werden die Angehörigen von schiffsreisenden, teilweise kriegerischen Personengruppen aus dem skandinavischen Raum wĂ€hrend der Wikingerzeit (790â1070 n. Chr.) im mitteleuropĂ€ischen FrĂŒhmittelalter bezeichnet. Sie reisten bis ins Mittelmeer, nach Nordafrika, nach Vorderasien und nach Nordamerika und hatten einen tiefgreifenden Einfluss auf die frĂŒhmittelalterliche Geschichte Skandinaviens, der Britischen Inseln, Frankreichs, Estlands und der Kiewer Rus.cite-ref-1[1]
In der zeitgenössischen Wahrnehmung stellten die Wikinger nur einen kleinen Teil der skandinavischen Bevölkerung dar. Dabei können zwei Gruppen unterschieden werden: Die einen betrieben den ufernahen Raub zeitweise und in einem frĂŒhen Lebensabschnitt. Es waren junge MĂ€nner, die aus der heimatlichen Gebundenheit ausbrachen und Ruhm, Reichtum und Abenteuer in der Ferne suchten. SpĂ€ter lieĂen sie sich wie ihre Vorfahren nieder und betrieben die in ihrer Gegend ĂŒbliche Wirtschaft. Von ihnen berichten die Sagas (Altnordische Literatur) und die Runensteine. FĂŒr die anderen wurde der ufernahe Raub zum Lebensinhalt. Ihnen begegnet man in den frĂ€nkischen, angelsĂ€chsischen und â fĂŒr WikingerstĂ€mme im Gebiet der heutigen Ukraine â ostslawischen sowie arabischencite-ref-2[2] Annalen und Chroniken. Sie kehrten bald nicht mehr in ihre Heimat zurĂŒck und waren in die heimatliche Gesellschaft nicht mehr integrierbar.
Contents
âą Wortherkunft
⹠AktivitÀten
âą Quellen
âą Die FĂŒhrung
âą Handel
âą Vertragstreue
âą Das Ende
âą AusrĂŒstung
âą Waffen
âą Zu Wasser
âą Zu Lande
âą Religion
âą Filme
âą Fernsehsendungen
âą Comics
âą Musik
âą Siehe auch
âą Quellen
âą Literatur
âą Dokumentation
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Der Begriff Wikinger
Wortherkunft
Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich von dem altnordischen Substantiv vĂkingr (Maskulinum) oder von der Phrase fara i viking (auf Kaperfahrt gehen) ab. Es bedeutet einen âSeekrieger, der sich auf langer Fahrt von der Heimat entferntâ.cite-ref-ask140-3-0[3] Das Femininum vĂking bedeutete zunĂ€chst nur die weite Schiffsreise,cite-ref-ask136-4-0[4] spĂ€ter auch die âKriegsfahrt zur See an entfernte KĂŒstenâ.cite-ref-egil1-5-0[5] Allerdings ist dies bereits das Endstadium der Wortentwicklung. Das Wort ist Ă€lter als die eigentliche Wikingerzeit und bereits im angelsĂ€chsischen WĂdsĂð belegt.cite-ref-6[6]
Hingegen nennen die Nachrichten ĂŒber die ĂberfĂ€lle von Skandinaviern an den nordfrĂ€nkischen KĂŒsten zur Merowingerzeit wohl Seekönige, Seegauten und Seekrieger, aber niemals Wikinger.cite-ref-ask118-7-0[7] Am Ende des 8. Jahrhunderts begann eine Serie von PlĂŒnderungszĂŒgen nach England, aber es dauerte bis zum Jahr 879, bis in der AngelsĂ€chsischen Chronik das Wort Wikinger im Kontext dieser kriegerischen AktivitĂ€ten verwendet wurde. Danach kommt es nur dreimal vor, nĂ€mlich in den Aufzeichnungen fĂŒr die Jahre 885, 921 und 1098.cite-ref-ask119-8-0[8] Es handelte sich also nicht um einen gĂ€ngigen Ausdruck, nicht einmal in der Zeit der dĂ€nischen Herrschaft ĂŒber Teile Britanniens. Hinzu kommt, dass man mit Wikinger heute zwar Skandinavier meint, das Wort aber in der BibelĂŒbersetzung und in der klassischen Literatur fĂŒr SeerĂ€uber ganz allgemein verwendet wurde.cite-ref-ask119-8-1[8] Jedenfalls taucht der Begriff Wikinger auf schwedischen Runensteinen relativ spĂ€t auf, der feminine Ausdruck vĂking fĂŒr den Wikingzug in der Zusammensetzung vestrvĂking sogar erst zu einer Zeit, als die Raubfahrten nach Osten offenbar bereits eingestellt waren, denn das entsprechende Wort austrvĂking gibt es nicht.cite-ref-ask126-9-0[9] Auf dĂ€nischen Runensteinen ist Viking fĂŒr den Beginn des 11. Jahrhunderts belegt.
Der Ursprung des Wortes ist folglich umstritten. Das germanische vĂk bezeichnet eine âgroĂe Bucht, in der das Ufer zurĂŒckweichtâ, nach einigen Forschern also die ursprĂŒnglichen SiedlungsplĂ€tze der Wikinger.cite-ref-her57-10-0[10] Die ZurĂŒckfĂŒhrung auf diese Wurzel ist aber unwahrscheinlich, weil das Anlaufen von Buchten und das Siedeln in Buchten eine ĂŒbliche Vorgehensweise war und nichts, was spezifisch die Wikinger auszeichnete.cite-ref-ask165-11-0[11] Die Wikinger lieĂen sich in aller Regel auf Inseln nieder: so auf der Ăle de Noirmoutier in der LoiremĂŒndung (Loire-Normannen), auf der Insel vor Jeufosse (heute: Notre-Dame-de-la-Mer) und der âĂźle d'Oisselâ in der Seine (Seine-Normannen), auf der Insel Camargue im Flussdelta der Rhone, der Halbinsel Walcheren im niederlĂ€ndischen Zeeland, der Isle of Thanet, der Isle of Sheppey und anderen mehr, insbesondere aber auf den Orkney-Inseln westlich und nördlich von Schottland und jenen in der Irischen See (Isle of Man) bzw. auf Groix (wo jeweils BootgrĂ€ber gefunden wurden).
Eine weitere Theorie leitet den Terminus Wikinger vom lateinischen Wort vÄ«cus ab, das eine Ortschaft bezeichnet.cite-ref-boy28-12-0[12] Dabei wird auf die vielen StĂ€dtenamen verwiesen, die auf -wik enden. Das feminine Abstraktum vĂking ist damit aber nicht zu erklĂ€ren. HĂ€ufig wird auf Vik als alte Bezeichnung fĂŒr den Oslofjord verwiesen. Es seien also ursprĂŒnglich SeerĂ€uber aus Vik gewesen.cite-ref-www-1-13-0[13] Dies wird ĂŒberwiegend fĂŒr unwahrscheinlich gehalten, da Leute aus Vik als SeerĂ€uber nirgends besonders in Erscheinung getreten sind.cite-ref-vries662-14-0[14] Die neuere Forschung stellt fĂŒr eine akzeptable Herleitung die von Munchcite-ref-munch455-15-0[15] entwickelte Bedingung auf, dass mit ihr auch das feminine Abstraktum vĂking fĂŒr âWikingerzugâ als Parallelentwicklung erklĂ€rt werden kann.cite-ref-and691-16-0[16] Diese Bedingung können die genannten ErklĂ€rungen nicht erfĂŒllen.
Es wird auch erwogen, dass die Wurzel nicht im Skandinavischen, sondern im Anglo-Friesischen zu suchen sei, da es bereits in altenglischen Glossaren aus dem 8. Jahrhundert auftrete; in diesem Fall erscheint eine Ableitung von altenglisch wĂc âLagerplatzâ (aber auch âWohnstĂ€tte, Dorfâ, letztlich ebenfalls aus lateinisch vÄ«cus âDorf, Anwesenâ entlehnt) wahrscheinlich.cite-ref-oxf-1-17-0[17] Auch diese Herleitung kann das feminine Abstraktum nicht erklĂ€ren. Andere Wortherleitungen gehen von vikva âvon der Stelle rĂŒcken, bewegen, sich bewegenâ oder vĂkja (von norwegisch vige âweichenâ) aus. Hierzu gehört das Wort vĂk im Ausdruck rĂła vĂk ĂĄ âeine Kurve rudern, beim Rudern vom Kurs abkommenâ.cite-ref-erkl-1-18-0[18]cite-ref-ask180-19-0[19] AfvĂk hat die Bedeutung âAbstecherâ.cite-ref-fritz19-20-0[20] Das feminine Wort vĂking wĂ€re dann eine Abweichung vom rechten Kurs. Synonym dazu wird in den Texten auch Ășthlaup âdie Fahrt, das Auslaufen von Landâ verwendet. Ășthlaupsmaðr heiĂt auch Wikinger und Ășthlaupsskip SeerĂ€uberschiff. VĂkingr wĂ€re dann wiederum einer, der von zu Hause entweicht, sich also in der Fremde aufhĂ€lt, auf eine weite Seereise geht.cite-ref-grimm29-21-0[21] Diese Herleitung hat keine allgemeine Zustimmung gefunden, weil sie von einem zu hohen Abstraktionsniveau ausgeht.
Ein neuer ErklĂ€rungsversuch bezieht das Wort vika in die Ăberlegungen ein. Dieses Wort lebt im deutschen Wort âWocheâ fort und hat sowohl eine zeitliche als auch rĂ€umliche Bedeutung: Es handelt sich um die Strecke, die eine Rudermannschaft bis zum Wechsel an den Riemen rudert. Altwestnordisch ist vika sjĂłvar eine Seemeile. Daraus wird der Vorschlag entwickelt, dass vĂkingr ein Wechsel- oder Schichtruderer ist und das Abstraktum vĂking âdas Rudern in Schichtenâ bedeutet.cite-ref-dag-1-22-0[22] Das Fehlen eines ursprĂŒnglichen maskulinen Substantivs aus dem Wort vika wird damit erklĂ€rt, dass das feminine Wort vĂking zuerst da gewesen sei und vĂkingr eine sekundĂ€re Ableitung dazu. Diese ErklĂ€rung ist in der Diskussion und hat sich noch nicht durchgesetzt. Ăber die Herkunft des Wortes Wikinger besteht letztlich keine Einigkeit.
Begriffsentwicklung
Die Wörter vĂkingr und vĂking haben eine unterschiedliche Bedeutungsentwicklung erfahren. WĂ€hrend vĂkingr wegen seiner immer negativer werdenden Konnotation bald nicht mehr fĂŒr edle Menschen und regierende Könige verwendet wurde, konnte von diesen durchaus gesagt werden, dass sie auf vĂking fĂŒhren.
König Harald Graumantel und sein Bruder Gudröd pflegten im Sommer âim Westmeer oder in den Ostlanden auf VĂkingâ zu gehen.cite-ref-heim-9-23-0[23] Diese Wikingerfahrten waren entweder private PlĂŒnderungsunternehmen einzelner, oder man schloss sich zu organisierten VerbĂ€nden zusammen. Aber die Fahrten waren nicht notwendig mit Raub verbunden. In der Gunnlaugr Ormstungas saga geht der Held auf vĂking und besucht erst Nidaros, dann König Ăthelred, reist schlieĂlich von dort nach Irland, zu den Orkneys und nach Skara in VĂ€stra Götalands LĂ€n, wo er sich bei Jarl Sigurd einen Winter aufhĂ€lt, zuletzt nach Schweden zu König Olof Skötkonung. Von PlĂŒnderung ist keine Rede.
Begriffsgeschichtlich sind zwei Phasen des Begriffsinhaltes auszumachen: eine frĂŒhgeschichtliche Phase in den altnordischen Texten bis in das 14. Jahrhundert und eine moderne, die bis in das 17. Jahrhundert zurĂŒckverfolgt werden kann.
AngelsÀchsische Quellen
Das Wort vĂcing findet sich wohl zuerst in der AngelsĂ€chsischen Chronik. Dort tritt es zusammen mit den Wörtern scip-hlĂŠst (= Schiffslast) und dene (= DĂ€nen) auf. Die Körper der MĂ€nner werden als Schiffsladung bezeichnet.cite-ref-he57-24-0[24] 798 wurden die Angreifer noch als DĂ€nen bezeichnet. 833 waren die Angreifer âSchiffsladungen von DĂ€nenâ. Auffallend ist, dass von xxxv scip-hlĂŠst und nicht von 35 Schiffen die Rede ist. Der Akzent wird auf die MĂ€nner gelegt. 885 wurden die Schiffsladungen dann Wikinger genannt. Im 9. Jahrhundert wurden die Wikinger in Ăbereinstimmung mit dem Wortursprung und offenbar durch Widsith gestĂŒtzt als SeerĂ€uber betrachtet. Dass die Chroniken die DĂ€nen nicht sofort Wikinger nannten, lĂ€sst darauf schlieĂen, dass man sie auĂerhalb ihres unmittelbaren Umfeldes zunĂ€chst nicht erwartete. Das Gedicht The Battle of Maldon aus dem spĂ€ten 10. oder frĂŒhen 11. Jahrhundert schildert die Wikinger als Lösegeld fordernde Kriegerschar.cite-ref-z25-25-0[25]
ĂŸa stod on stÊðe, stiðlice clypode
wicinga ar, wordum mĂŠlde,
se on beot abead brimliĂŸendra
ĂŠrĂŠnde to ĂŸam eorle
ĂŸĂŠr he on ofre stod
Da stand ein Bote der Wikinger am Ufer,
rief tapfer aus, sprach mit Worten,
brachte prahlerisch die Nachricht des Seefahrers
zum Grafen des Landes,
an dessen Kueste er stand
ArchĂ€ologische Funde lassen vermuten, dass das Wort wĂcing mit dem Gebrauch im Gedicht Widsith (im dortigen Artikel ist der Vers zitiert) im Wesentlichen ĂŒbereinstimmt: Sie sind rĂ€uberische Angreifer. Sie werden in dem zitierten Vers mit den Heathobearnern gleichgesetzt. Was es damit auf sich hat, ist ungeklĂ€rt. Vers 57â59 bringt eine Völkertabelle:
Ic wĂŠs mid Hunum
ond mid Hreðgotum,
mid Sweom ond mid Geatum
ond mid SuĂŸdenum.
Mid Wenlum ic wĂŠs ond mid WĂŠrnum
ond mid wicingum.
Mid GefĂŸum ic wĂŠs ond mid Winedum
ond mit Gefflegum.
Ich war mit den Hunnen
und mit den Reidgoten
Mit den Svear und den Göten
und mit den SĂŒddĂ€nen
mit Wenlum war ich, mit VĂ€ringern
und mit den Wikingern.
Ich war mit den Gepiden und mit den Wenden
und mit den Gefflegern.
Wer immer im Einzelnen mit den Namen gemeint gewesen sein mag, die Tabelle weist klar in den Ostseeraum, und mit den Wikingern sind sicher NordlÀnder gemeint.cite-ref-erkl-2-26-0[26]
Etwa aus der gleichen Zeit stammt eine Dichtung ĂŒber das Buch Exodus, in der besonderer Wert auf die KĂ€mpfe der Israeliten gelegt wird und das im Junius manuscript ĂŒberliefert ist. Es geht um den Durchzug durch das Rote Meer in Heeresformation mit weiĂen Schilden und flatternden Fahnen. Ăber den Stamm Ruben heiĂt es da:cite-ref-ask153-27-0[27]
ĂŠfter ĂŸĂŠre fyrde flota modgade,
Rubenes sunu. Randas bĂŠron
sĂŠwicingas ofer sealtne mersc,
manna menio; micel angetrum
eode unforht.
Nach dieser Schar kommt stolz ein Seekrieger,
Rubens Sohn. Seewikinger, zahlreiche MĂ€nner,
trugen ihre Schilde ĂŒber das salzige Meer,
eine ausgesuchte Schar, die ging
ohne Furcht.
Diese beiden Belege zeigen, dass der Begriff Wikinger im Sinne von Seekrieger vor der nordgermanischen Expansion nach England verwendet wurde und daher nicht die von einem König initiierten Eroberungen abdeckt.cite-ref-kr-3-28-0[28] Zu dieser Zeit war der ufernahe Raub auf privater Initiative die maĂgebliche Erfahrung mit den Wikingern. Diese lag bereits vor der eigentlichen Wikingerzeit. Die organisierten Invasionen zur Herrschaftsausdehnung in der Wikingerzeit wurden Nordmannen und DĂ€nen zugeschrieben, nicht aber Wikingern.cite-ref-www-2-29-0[29] Die VerknĂŒpfung des Begriffes Wikingern mit einem seegestĂŒtzten Angriff ist in den angelsĂ€chsischen Quellen durchgĂ€ngig zu beobachten. Sie gehören untrennbar zusammen.cite-ref-ze55-30-0[30] Es wird sogar zwischen Landheer und Wikingern unterschieden. In der Chronik zum Jahr 921 wird vom Kampf des dĂ€nischen Heeres in Ostanglien gegen Edward als von einem Kampf des landheres ge thara wicinga (des Landheeres und der Wikinger) berichtet. Beide Gruppen waren DĂ€nen, und die Schiffe unterstĂŒtzten das Landheer.cite-ref-ze55-30-1[30]
Die Verbindung zwischen wic = Bucht und wicing wird in den militĂ€rischen Befestigungsanlagen in GudsĂž vig am kleinen Belt und im Umkreis des Kanhave-Kanals, der die Insel SamsĂž an ihrer schmalsten Stelle von der SĂŠlvig-Bucht in den Stavns-Fjord durchschnitt (Bau dendrochronologisch auf 726 datiertcite-ref-j-r222-31-0[31]) gesehen.cite-ref-he57-24-1[24] Dazu passt, dass im Widsith (Vers 28) das Wort wicing parallel zu sĂŠdena = See-DĂ€nen gestellt wird. Auf dem Stiel einer Axt, die in Nydam gefunden wurde, befindet sich eine Runeninschrift, die die Namen Sikija (einer, der am Sik, einem Feuchtgebiet, wie es oft im Anschluss an eine Bucht zu finden ist) und Wagagast (Wellengast, Seefahrer) beinhaltet. Daraus kann man schlieĂen, dass sich die Bevölkerung dort stark auf die Seetopographie bezog.cite-ref-her56-32-0[32] Obgleich Boote und Waffen in Nydam Seekriegern gehört zu haben scheinen, kann aus den Funden keine Definition eines Wikingers hergeleitet werden.
In irischen Texten kommt das Wort Wikingern als Lehnwort uicing, ucing oder ucingead vor.cite-ref-cat-33-0[33]
Altnordische Literatur
Die EinfĂŒhrung des Personennamens vĂking zeigt, dass mit dem Begriff bald persönliche QualitĂ€ten verbunden wurden und er eine bestimmte IdentitĂ€t signalisierte und nicht eine bestimmte Art des Krieges.cite-ref-he58-34-0[34] Allerdings fĂ€llt auf, dass der Personenname nur in Norwegen, in Ostschweden, SmĂ„land, Finnland und Schonen belegt ist, in Island aber nicht verwendet wurde, allenfalls als Beiname (LandnĂĄmabĂłk).cite-ref-ask139-35-0[35] EilĂfr GoðrĂșnarson (2. HĂ€lfte des 10. Jahrhunderts) nennt in seiner ĂĂłrsdrĂĄpa die kriegerischen Götter âWikingerâ.cite-ref-thu-1-36-0[36]
Ăðu fast (en) frĂðir
(flaut) eiðsvara Gauta
setrs vĂkingar snotrir
(svarðrunnit fen) gunnar;
ĂŸurði hrÇ«nn at herði
hauðrs rĂșmbyggva nauðar
jarðar skafls at afli
åss hretviðri blåsin.
Gautheims Wiking, wackre,
Wat'ten, kampfwohlb'raten,
Eidgenossen, edle.
Erdschwart'-Nass schwoll hÀrter.
Well'gen Lands gewalt'ge
Wog braust, sturmzerzauste,
Hin viel auf der Felsen-
Felds-Herren Notmehrer.
Mit dieser Namensgebung sollen Tugenden der Vergangenheit beschworen werden: Ein treuer und tapferer meergebundener Krieger, beschĂ€ftigt mit externem Erwerb. In der Skaldendichtung ist die Ă€lteste Verwendung bei Egill SkallagrĂmsson (910â990) zu finden:cite-ref-egil40-37-0[37]
Ăat mĂŠlti mĂn móðir,
at mér skyldi kaupa
fley ok fagrar ĂĄrar
fara ĂĄ brott með vĂkingum,
standa upp Ă stafni,
stĂœra dĂœrum knerri,
halda svĂĄ til hafnar,
höggva mann ok annan.
Meine Mutter sagte
Mir gebĂŒhre ein Kriegsschiff
Bald mit rĂŒstigen MĂ€nnern,
Raub zu holen als Wikinger.
Stehen mĂŒsst ich am Steven,
Steuern kĂŒhn den Meerkiel:
Heldengleich im Hafen
Hieb ich auf die MĂ€nner.
Da ist Egill noch nicht zwölf Jahre alt und reagiert mit diesem Gedicht auf eine entsprechende Zusage der Mutter. Egill reprĂ€sentiert den Saga-Typus des Wikingers. Er verwendet das Wort in vielen Skaldenstrophen. Offenbar hatte diese heroische Auffassung vom Wikingerleben zur Zeit der Abfassung des Gedichtes (um 920) bereits eine lĂ€ngere Tradition aufzuweisen. Es fĂ€llt auf, dass weder der soziale Hintergrund, die Familien der Teilnehmer oder die Motive der Wikingerbewegung, noch ihre rechtlichen oder militĂ€rischen Strukturen Gegenstand der Ăberlieferung sind.cite-ref-b-ldl704-38-0[38]
Aber bald setzte sich vor allem in Schweden die pejorative Bedeutung durch, als dort der Handel eine vorrangige Stellung einnahm, denn der Wikinger war die gröĂte Gefahr fĂŒr den Kaufmann. Dies ist ein Grund, fĂŒr diese Zeit den Wikinger vom Kaufmann zu unterscheiden, wenn auch die gleiche Person sich je nach Gewinnaussicht mal als Wikinger, mal als Kaufmann betĂ€tigt haben mochte. Das sind aber EinzelfĂ€lle. Ăberhaupt scheinen die Wikinger im Ostseebereich eine geringere Bedeutung gehabt zu haben. Wenn es richtig ist, dass der Leidang seinen Ursprung in Schweden hat, so blieb fĂŒr die privaten RaubzĂŒge bald nicht mehr viel Spielraum. Vielmehr stand der Kriegszug dort schon sehr frĂŒh unter der Kontrolle des Königs. So musste sich die private Initiative mehr auf den Handel verlegen. FĂŒr die Ostfahrten in die FlĂŒsse Russlands wurde der streng auf diese Gegend beschrĂ€nkte Begriff der WarĂ€ger verwendet.
In Norwegen wurde bald gegen die Wikinger im eigenen Lande vorgegangen. Sigvald der Skalde bezeugt in seinem GedĂ€chtnislied ĂŒber Olav den Heiligen, dass er gegen die RĂ€uberei im eigenen Lande gnadenlos vorgegangen sei:cite-ref-heim181-39-0[39]
Vissi helst, ĂŸað er hvössum
hundmörgum lét grundar
vörðr með vopnum skorða
vĂkingum skör, rĂkis.
Lands Schirmherr mit Schwerte
stÀupte ab die HÀupter
vielen des Wikinger-Volkes.
Furchtbar an Macht war der!
Runensteine
In altnordischen Texten auf Runensteinen des 11. Jahrhunderts kommen neutralecite-ref-erkl-3-40-0[40] und Ehrfurcht erweckendecite-ref-tir216-41-0[41] Bedeutungen vor. Das Wort Wikingern ist mit Vorstellungen von Ehre und Eid verbunden. Das Wort wurde einfach mit drengr = tapferer, ehrenhafter Mann gleichgesetzt.cite-ref-gard2-42-0[42] In diesen Texten gibt es keinen Wikinger hinter einem Pflug. Er wurde als in der Fremde mit dem Schwert in der Hand vorgestellt.
Der Runenstein von Bro (auch Assurs sten genannt; Samnordisk runtextdatabas U 617) in der Gemeinde Upplands-Bro in Uppland in Schweden steht an einem WÀldchen, etwa 300 m nördlich der Kirche von Bro, in deren Wand er bis 1866 eingemauert war. Assur war ein "vikinga vordr" (Wart gegen die Wikinger) das bei Leidang, der Verteidigung seiner Heimat gegen die Wikinger ums Leben kam. Die Inschrift lautet:
âkinluk Ă hulmkis Ă tutiÊ Ă systiÊ Ă sukruĂŸaÊ Ă auk Ă ĂŸaiÊa Ă kaus Ă aun Ă lit Ă keara Ă bru Ă ĂŸesi Ă auk Ă raisa Ă stain Ă ĂŸina Ă eftiÊ Ă asur Ă bunta · sin Ă sun Ă hakunaÊ Ă iarls Ă saÊ Ă uaÊ Ă uikika Ă uaurĂŸr Ă miĂŸ Ă kaeti Ă kuĂŸ Ă ialbi Ă ans Ă nu Ă aut Ă uk Ă saluâ
Ăbersetzt: âGinnlaug, Holmgaeirs Tochter, Schwester Sygroths und Gauts, sie lieĂ diese BrĂŒcke machen und diesen Stein errichten fĂŒr Assur, ihren Mann, den Sohn des Jarls HĂ„kon. Er war Wart gegen die Wikinger (zusammen) mit Gaeitir. Gott helfe nun seinem Geist und seiner Seele.â
FrĂŒhe auĂerskandinavische Literatur
Zu derselben Zeit werden in der ĂŒbersetzten lateinischen Literatur SeerĂ€uber, RĂ€uber und andere Schurken Wikinger genannt. In der frĂŒhen Phase wurde das Wort von Nichtskandinaviern und von Christen in einer pejorativen Bedeutung mit einem gewissen MaĂ an Ehrfurcht verwendet. Wikinger waren gewalttĂ€tige Angreifer. Adam von Bremen schreibt: âSie sind wirklich Piraten, die jene Wikinger nennen, wir EschenmĂ€nner.âcite-ref-adam-6-43-0[43] Er nennt die Piraten mehrfach Ascomanni.cite-ref-adam-2-44-0[44]
In den westfrĂ€nkischen Quellen taucht das Wort Wikinger nicht auf. Stattdessen ist bei den PlĂŒnderungszĂŒgen durchweg von Normannen die Rede. Die zeitgenössische Annalistik erwĂ€hnt ihre Grausamkeit. In der mehr örtlich orientierten Hagiographie tritt die unglaubliche Grausamkeit als besonderes Merkmal deutlich hervor.cite-ref-ze115-45-0[45]
In der AngelsĂ€chsischen Chronik wird die Grausamkeit der Wikinger nicht explizit erwĂ€hnt. Dies hĂ€ngt aber mit der Thematik und Darstellungsabsicht, den Aufstieg des Hauses Wessex und den Kampf Alfreds des GroĂen zu schildern, zusammen.
Photios I. (â 893), Patriarch von Konstantinopel schreibt in einer Predigt ĂŒber die Wikinger, die ĂŒber den Dnipro gekommen waren: Sie drohten "der Stadt mit dem Tod durch das Schwert, und alle menschliche Hoffnung schwand."cite-ref-46[46]
Christliches Mittelalter
Nach 1100 wurde die Bezeichnung Wikinger immer hĂ€ufiger abwertend gebraucht. Dies rĂŒhrt vor allem daher, dass sie sich bei kriegerischen Unternehmungen nicht an die kontinentalen Regeln hielten. Diese schĂŒtzten grundsĂ€tzlich Kirchen und Klöster, die fĂŒr die heidnischen Krieger nur eine leichte Beute waren.cite-ref-svan20-47-0[47] Insofern standen sie in der Berichterstattung den Reiterhorden aus Ungarn nahe.cite-ref-ann-1-48-0[48] Hier handelte es sich nicht um politische KriegszĂŒge zur Herrschaftsausweitung, sondern wie bei den Wikingern um BeutezĂŒge.cite-ref-hag84-49-0[49]
Der sogenannte Poeta Saxo setzt die Ashmen, die Adam von Bremen mit den Wikingern gleichsetzt, mit Piraten gleich. Snorri beginnt seinen Bericht ĂŒber die Orkaden-Jarle in der Geschichte ĂŒber Olav den Heiligen mit der abfĂ€lligen Bemerkung: âEs heiĂt, dass in den Tagen des Norwegerkönigs Harald hĂ„rfagre die Orkaden besiedelt wurden. Vor dieser Zeit waren die Inseln nur eine Wikingerhöhle.âcite-ref-heim95-50-0[50] Ihre Anwesenheit lĂ€sst er nicht einmal als Besiedlung gelten. Ăber Magnus BerrfĂžtt heiĂt es in der Heimskringla: âEr hielt den Frieden in seinem Lande aufrecht und reinigte es von allen Wikingern und Wegelagerern.âcite-ref-mag-7-51-0[51] Hier zeigt sich der Wandel durch die Nennung der Wikinger zusammen mit den Gesetzlosen. Erik Ejegod wird gelobt wegen seines beherzten Eingreifens gegen Wikinger in DĂ€nemark.cite-ref-eir6-52-0[52] Im 12. Jahrhundert wird in einem Gedicht zur Erinnerung an Olav Tryggvason Wikinger synonym zu âRĂ€uberâ und âVerbrecherâ verwendet.cite-ref-hal-8-53-0[53] In den Dichtungen des 12. Jahrhunderts wird der Wikinger zum Feind der GroĂen und AufrĂŒhrer. In der lateinischen religiösen Literatur wird vĂkingr mit raptor, praedo usw. ĂŒbersetzt.cite-ref-54[54] Der Begriff ist nun nicht mehr auf Skandinavien beschrĂ€nkt, sondern bezieht sich auch auf heidnische Feinde weit im SĂŒden.cite-ref-55[55] Die gleiche Entwicklung kann man auf Island beobachten: In der LandnĂĄmabĂłk werden die ersten Siedler, StammvĂ€ter bedeutender Geschlechter, noch als vĂkingr mikill (groĂe Wikinger) bezeichnet. Aber zur selben Zeit setzt sich der unfriedliche Gewaltaspekt durch. Ăorbjörn bitra hĂ©t maður; hann var vĂkingur og illmenni. (âEin Mann hieĂ Ăorbjörn bitra; er war Wikinger und ein ĂŒbler Mensch.â)cite-ref-56[56] Der vornehme Ăleifr enn hvĂti wird gleichzeitig als herkonungr (Heerkönig) und nicht als Wikinger bezeichnet.cite-ref-57[57] Kein Nachkomme der vornehmen Geschlechter wird selbst âWikingerâ genannt. Aber es wird von manchen berichtet, dass sie waren Ă (vest)vĂking, also auf Wikingerfahrt.
Selbst der Skalde Egill SkallagrĂmsson, der den âklassischenâ Typus des Wikingers verkörperte, wird nicht als Wikinger bezeichnet. Nur seine Unternehmungen werden VĂking genannt. In der NjĂĄlssaga wird von Gunnar von HlĂðarendi und den Söhnen NjĂĄls berichtet, dass sie auf âVĂkingâ-Fahrt fuhren, sie selbst werden aber nicht Wikinger genannt. Aber Gunnars Feinde in Estland werden als Wikinger bezeichnet. Hingegen bezeichnet die mutmaĂlich auf den FĂ€röer-Inseln entstandene Saga von Hjorti aus Viðareiði den Seefahrer Tumpi, der von einem heute als Gammelfjols-gĂ„rd bekannten Gehöft stammt, recht eindeutig als vĂkingr. Er soll auf einer Fahrt nach Island um das Jahr 1000 herum mit dem Lehnsmann der norwegischen Krone auf den FĂŠrĂžern, BjĂžrn von KirkjubĂž, in Streit geraten und deswegen von den Inseln nach Grönland verbannt worden sein.
In den Rechtstexten (GrĂĄgĂĄs, Gulathingslov) hat sich die Gleichsetzung mit ĂbeltĂ€ter dann verfestigt. Das Gleiche gilt fĂŒr Schweden.cite-ref-58[58] Gleichzeitig finden sich in den Wikingersagen ĂŒber Ragnar Lodbrok und andere Seehelden idealisierend-ritterliche ZĂŒge, in denen der Held als BeschĂŒtzer der Schwachen dargestellt wird. In der FriĂ°ĂŸjĂłfs saga ins frĆkna lebt der Held FriĂ°ĂŸjĂłf ein ritterliches Freibeuterleben, in dem er die ĂbeltĂ€ter und grausamen Wikinger vernichtet, aber Bauern und Kaufleute in Frieden lĂ€sst.cite-ref-ask-135-59-0[59] Das gleiche Motiv der Ritterlichkeit durchzieht die VatnsdĆla saga. Dabei ist auf die feine Unterscheidung zwischen dem femininen Wort vĂking = Heerfahrt und dem maskulinen Wort vĂkingr = Pirat hinzuweisen. Die ritterlichen Protagonisten ziehen auf VĂking-Fahrt, aber ihre Gegner sind Piraten und RĂ€uber, denen sie die Beute, die diese Kaufleuten und Bauern abgenommen haben, abjagen.cite-ref-60[60]
FrĂŒhmoderne Auffassung
Die literarische Verarbeitung in den Sagas bildete die Grundlage fĂŒr die frĂŒhmoderne Auffassung ĂŒber die Wikinger im Zuge der skandinavischen IdentitĂ€tsfindung. Besonders der schwedische Gelehrte Olof Rudbeck betrachtete den Wikinger als âunseren starken, kriegerischen, ehrbaren, heidnischen und primitiven Vorfahrenâ.cite-ref-he58-34-1[34]
Obwohl geringwertiger, wurde angenommen, dass seine besten QualitĂ€ten in Schweden und dem ĂŒbrigen Skandinavien weiterlebten. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die heidnische PrimitivitĂ€t zurĂŒckgedrĂ€ngt zu Gunsten eines freien und gesetzestreuen Wikingerbildes.cite-ref-61[61] Dies wirkte sich in der spĂ€teren Literatur dahin aus, dass die regulĂ€ren Eroberungskriege z. B. in England ebenfalls Wikingern zugeschrieben und damit den rĂ€uberischen ĂberfĂ€llen auf die englischen Klöster im 8. Jahrhundert gleichgestellt wurden.
Dabei wurde ĂŒbersehen, dass die Tugenden, die an den Wikingern gelobt wurden, damals nur gegenĂŒber der eigenen Gruppe geĂŒbt wurden. Die Moral war streng auf die eigene Sippe und die Gefolgschaft ausgerichtet. Daher war der Raub in der Fremde nichts Unehrenhaftes, im Gegenteil, er trug zum Ansehen bei. Diese Unterscheidung liegt der Entscheidung Harald HĂ„rfagres zu Grunde, den Wikinger Gang-Hrolf (angeblich identisch mit Rollo in der Normandie) aus Norwegen zu verbannen. Solange er in den Ostlanden heerte, wurde dies akzeptiert. Als er aber seine PlĂŒnderungen in Vik (Oslofjord) fortsetzte, verstieĂ er gegen die Regeln, dass man im eigenen Lande nicht plĂŒndern durfte.cite-ref-62[62] Die etwas verharmlosende Auffassung vom Wikinger in der frĂŒhen Neuzeit fĂŒhrte dazu, dass sich die Wikinger angeblich als Bauern und HĂ€ndler betĂ€tigten und die Tugenden des ehrbaren BĂŒrgers ĂŒbernahmen. Das war die Zeit, als die Wikinger einer ganzen Kulturepoche, nĂ€mlich der Wikingerzeit, ihren Namen gaben. Als andere AktivitĂ€ten im Kunstgewerbe entdeckt wurden, wurde der Begriff in der heutigen Weite allgemein auf die seefahrenden Völker der Nord- und Ostsee ĂŒbertragen, sofern sie rĂ€uberisch auftraten. Der Begriff âWikingerâ verlor seine Konturen. Die romantische Heroisierung fĂŒhrte dazu, dass man den Wikingern besondere FĂ€higkeiten und Kenntnisse in der Seefahrt andichtete. So sollen sie bereits den Kompass und hervorragende nautische FĂ€higkeiten besessen haben. Dies ist, wie im Artikel Wikingerschiff dargelegt wird, Legende.
Gegenwart
Im deutschen Sprachraum wurde Wikinger erst im 19. Jahrhundert zu einem Allgemeinbegriff fĂŒr nordische Seefahrer. Insbesondere Leopold von Rankecite-ref-63[63] hat wohl zur Verallgemeinerung des Wikingerbegriffs im 19. Jahrhundert entscheidend beigetragen. Vorher wurden diese Völker Nordmannen oder Normannen genannt.cite-ref-64[64] Heute wird der Wikingerbegriff immer noch sehr undifferenziert angewendet, wie bereits an den Karten zu sehen ist, die unter der Bezeichnung âDie Welt der Wikingerâ geboten werden und alle Schiffsbewegungen der Wikingerzeit von Vinland im Nordwesten bis in das Byzantinische Reich im SĂŒdosten, von Staraja Ladoga im Nordosten bis Gibraltar im SĂŒdwesten unterschiedslos den Wikingern zuschreiben. Die Karte Boyers enthĂ€lt sogar einen wikingischen Pilgerweg nach Jerusalem.cite-ref-65[65]
Seit der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts ist in der Wissenschaft teilweise eine Gegenbewegung zu beobachten, welche unter "Wikinger" ausschlieĂlich die durch RaubzĂŒge bekannten Nordleute verstehtcite-ref-66[66] â Ă€hnlich wie im christlichen Mittelalter â und möchte sogar jedweden Handel ausschlieĂen. Allerdings gilt die Wirtschaftsweise âRaubhandelâ fĂŒr viele Wikinger der norwegischen und schwedischen Oberschicht als erwiesen. Die Wikinger auf Raubzug konnten sich anschlieĂend in anderen LĂ€ndern niederlassen. Manchmal konnten von diesen Niederlassungen und Siedlungen neue RaubzĂŒge ausgehen. Harald HĂ„rfagre sah sich gezwungen, die Bedrohung der norwegischen KĂŒsten durch Wikinger aus den britischen Inseln abzuwehren. Richtig ist daran nur, dass reine Handelsreisende, Handwerker und Bauern â gleichgĂŒltig, wo sie sich niederlieĂen â, deren Lebensentwurf nicht wesentlich von Kampf und Raub bestimmt war, nicht als Wikinger bezeichnet werden dĂŒrfen. Damit werden die NordmĂ€nner, die Island und Grönland besiedelten und Nordamerika entdeckten, nicht mehr als "Wikinger" bezeichnet. Die Auffassung von Frands Herschend trifft eher auf die Wikinger zu, die im 8. und 9. Jahrhundert das Frankenreich und England heimsuchten.
Verwandte AusdrĂŒcke fĂŒr denselben Personenkreis
Skandinavische Textzeugnisse
Zu der eher ehrenvollen Auffassung von Wikinger dĂŒrfte das Wort DrĂŠngr beigetragen haben, das sich auf den Runensteinen Schwedens findet. Dieses Wort hat um 1000 eine Wandlung durchgemacht. Auf den Ă€ltesten Runensteinen wird es oft synonym zu Wikinger gebraucht.cite-ref-67[67] Zu dieser Zeit bezeichnet das angelsĂ€chsische Lehnwort dreng den Krieger.cite-ref-68[68] SpĂ€ter hatte es dann einen mehr ethischen Inhalt als eine Bezeichnung fĂŒr einen Mann âvon rechtem Schrot und Kornâ, ohne dass damit eine Auslandsfahrt verbunden sein mĂŒsste.cite-ref-69[69] Snorri definiert in seiner Snorra-Edda den Drengr so:
âDrengir heita ungir menn bĂșlausir, meðan ĂŸeir afla sĂ©r fjĂĄr eða orðstĂr, ĂŸeir fardrengir, er milli landa fara, ĂŸeir konungsdrengir, er höfðingjum ĂŸjĂłna, ĂŸeir ok drengir, er ĂŸjĂłna rĂkum mönnum eða bĂłndum. Drengir heita vaskir menn ok batnandi.â
ââDrengirâ heiĂen junge MĂ€nner, solange sie sich Habe und Ruhm erstreiten; âFardrengirâ die, die von Land zu Land segeln; âKönigsdrengirâ die, die HĂ€uptlingen dienen; aber auch die sind âDrengirâ, welche mĂ€chtigen MĂ€nnern oder Bauern dienen; âDrengirâ heiĂen alle rĂŒstigen und reiferen MĂ€nner.â
â
Snorra-Edda,
SkĂĄldskaparmĂĄl
Kap. 81.
Hier zeichnet sich schon die Begriffswandlung ab, die bis zur Zeit Snorris stattgefunden hatte.
Eine weitere Bezeichnung fĂŒr MĂ€nner mit wikingischer Lebensweise dĂŒrfte die frĂŒhe Verwendung des Titels hĂșskarl gewesen sein. Es handelte sich um freie MĂ€nner, die sich einem MĂ€chtigen anschlossen und dessen Gefolge bildeten. Sie genossen freien Unterhalt und lebten in dessen Haus, das schon deshalb ein gerĂ€umiges Anwesen sein musste. DafĂŒr waren sie verpflichtet, ihm bei allen Unternehmungen beizustehen. Ging er auf vĂking, so bildeten sie seine Kerntruppe, den lið. HĂșskarl bei einem mĂ€chtigen Mann zu sein, war fĂŒr junge Bauernsöhne eine ehrenvolle Anstellung, insbesondere, wenn diese mĂ€chtigen MĂ€nner ein Jarl oder ein König waren. Aber unter den VerhĂ€ltnissen vor und um 1000 konnte eine solche Schar nur gehalten werden, wenn sie Aussicht auf Ruhm und Reichtum hatte, zumal Reichtum Voraussetzung fĂŒr hohes Ansehen war, das man nur durch groĂe Freigebigkeit (âGoldausstreuerâcite-ref-70[70] âSchenker der Ringeâ waren Kenningar fĂŒr den König.) erwerben konnte. Dies geschah ganz ĂŒberwiegend auf Auslandsfahrten, die mit Raubhandel verbunden waren. Das wird durch das völlige Fehlen des Titels hĂșskarl in den nachwikingischen schwedischen Quellen nahegelegt.cite-ref-71[71]
Snorri definiert in der Ynglinga saga den Seekönig so:
âĂ ĂŸann tĂma herjuðu konungar mjög Ă SvĂaveldi, bÊði Danir ok Norðmenn. Voru margir sĂŠkonungar, ĂŸeir er réðu liði miklu ok ĂĄttu engi lönd. ĂĂłtti sĂĄ einn með fullu mega heita sĂŠkonungur, er hann svaf aldri undir sĂłtkum ĂĄsi, ok drakk aldri at arinshorni.â
âDa gab es viele Seekönige, die ĂŒber groĂe Heere geboten, aber kein Land besaĂen. Den allein erkannte man mit Fug als einen richtigen Seekönig an, der nie unter ruĂigem Hausdach schlief und nie im Herdwinkel beim Trunke saĂ.â
â
Ynglinga saga, Kap. 30 (nach anderer ZĂ€hlung 34) ĂŒber HrĂłlf Krakes Tod.
Hier handelt es sich um einen typischen WikingerfĂŒhrer, da die Unterhaltung einer solchen Mannschaft den Raub voraussetzt. Zu Olaf dem Heiligen schreibt er:
âĂĂĄ er Ălafur tĂłk við liði og skipum ĂŸĂĄ gĂĄfu liðsmenn honum konungsnafn svo sem siðvenja var til að herkonungar, ĂŸeir er Ă vĂking voru, er ĂŸeir voru konungbornir, ĂŸĂĄ bĂĄru ĂŸeir konungsnafn ĂŸegar ĂŸĂłtt ĂŸeir sĂŠtu eigi að löndum.â
âAls er [12-jĂ€hrig] Heer und Schiffe bekam, gaben ihm seine Leute den Namen âKönigâ, wie dies damals Brauch war. Heerkönige nĂ€mlich, die Wikinger wurden, fĂŒhrten ohne weiteres den Königsnamen, wenn sie aus königlichem Blute waren, auch wenn sie noch kein Land zur Herrschaft besaĂen.â
â
Heimskringla Ălafs saga helga Kap. 4.
Die sehr hĂ€ufig (auf mehr als 50 Steinen) verwendeten Formulierungen at verða dauður (fand den Tod) und hann varð drepinn (er wurde getötet) wird mit einer Ausnahme nur im Zusammenhang mit dem Tod im Ausland gebraucht. Das kann auf Wikinger-Unternehmungen deuten, aber auch auf Handelsfahrten. Die Handelsschiffe konnten ja selbst Opfer von ĂberfĂ€llen werden.
Die Bezeichnungen der Schiffsmannschaften sind nur wenig belegt. So gibt es den Ausdruck styrimannr. Dieser ist der SchiffsfĂŒhrer. Welcher Art Unternehmungen das Schiff diente, lĂ€sst sich aus den wenigen Texten nur indirekt erschlieĂen. Der Stein Haddeby 1 aus Gottorp deutet auf Grund des Textzusammenhangs eher auf eine kriegerische Verwendung hin.cite-ref-72[72] Dagegen dĂŒrfte der SchiffsfĂŒhrer, der auf dem schwedischen Stein im Dom zu Uppsala genannt wird, auf Handelsfahrt gewesen sein.cite-ref-73[73]
Ein weiterer Ausdruck fĂŒr einen Seekrieger war SkĂpari, Schiffsmann. Am deutlichsten ist dies auf den Steinen aus SmĂ„landcite-ref-74[74] und Södermanland zu erkennen.cite-ref-75[75]
AuĂerskandinavische Textzeugnisse
Die Bezeichnung in den frĂŒhen Schriftquellen des 8. bis 11. Jahrhunderts im Frankenreich lassen nicht immer einen RĂŒckschluss darauf zu, inwieweit die Autoren die Ethnien bei den von ihnen geschilderten ĂberfĂ€llen unterschieden haben. Die Bezeichnung war im Wesentlichen von der Aussageabsicht bestimmt. So werden die Wikinger unter den Sammelbegriffen âNormannenâ, âHeidenâ und âPiratenâ gefĂŒhrt. Man findet auch den bevorzugten Begriff DĂ€nen. Manchmal wird zwischen DĂ€nen, Norwegern und anderen unterschieden.cite-ref-76[76] Bei den Schilderungen der Untaten kam es den Annalen nicht auf eine ethnische Differenzierung an. Bei Autoren wie Nithard und Notker wird man auf Grund ihrer Informationsquellen davon ausgehen dĂŒrfen, dass sie um die ĂŒberwiegend dĂ€nische Herkunft der Wikinger wussten. Trotzdem benutzten sie den Begriff âNormannenâ.cite-ref-77[77]
In der Hagiographie findet sich eine hĂ€ufige Gleichsetzung von Normannen und pagani (Heiden). FĂŒr die Darstellung des beispielhaften Handelns des geschilderten Heiligen war die ethnische Zugehörigkeit seiner Gegner ohne Bedeutung. Wenn Hinkmar von Reims an Papst Hadrian von pagani Northmanni und an die Bischöfe der Diözese Reims vom Kampf contra paganos schreibt, dann dĂŒrfte dieser Verfasser eines Teiles der Annales Bertiniani ĂŒber die ethnische Zugehörigkeit sicher informiert gewesen sein. In der pastoralen Briefliteratur ist naturgemĂ€Ă ĂŒberwiegend von pagani ohne weitere Differenzierung die Rede.cite-ref-78[78]
In Annalen und Chroniken wird die Bezeichnung DĂ€nen dann bevorzugt, wenn von den VerhĂ€ltnissen in DĂ€nemark berichtet wird. Dann findet sich der synonyme Gebrauch von DĂ€nen und Normannen.cite-ref-79[79] Andere Schilderungen nennen ausschlieĂlich DĂ€nen als Akteure. Aus Einhards Leben Karls des GroĂen kann man die Kenntnis unterschiedlicher Volkszugehörigkeit der Normannen ablesen.
âDani siquidem ac Suenones, quos Nordmannos vocamus, et septentrionale litus et omnes in eo insulas tenent.â
âDĂ€nen und Sueonen, die wir Nordmannen nennen, haben die ganze NordkĂŒste und alle Inseln in ihm (gemeint ist die Ostsee) inne.â
â
Einhardi vita Karoli Kap. 12.
In der AngelsĂ€chsischen Chronik wird bei den normannischen ĂberfĂ€llen durchaus zwischen Norwegern und DĂ€nen unterschieden. Der Wikingerangriff 787 wird in der Ă€ltesten Handschrift A den DĂ€nen zugeschrieben. Die Handschriften B, C, D, E und F schreiben III scipu nodhmanna. Dies seien die ersten DĂ€nen (Deniscra manna) in England gewesen. Die Handschriften E und F geben zusĂ€tzlich als Herkunftsort Heredhalande an, was auf die norwegische KĂŒste bezogen wird.cite-ref-80[80]
Andere frĂ€nkische Schriftquellen sprechen von den Wikingern als piratae, benutzen das Wort Wikinger aber nicht. Sie unterscheiden nicht zwischen Flotte und Landheer. Im Ăbrigen decken sich aber die Wortbedeutungen piratae bei den frĂ€nkischen und wicing bei den angelsĂ€chsischen Quellen, indem sie sich beide auf den Zusammenhang âSchiff â Angriff â PlĂŒnderungâ beziehen.
In Irland wurden Wikinger Lochlannach genannt, was die gleiche Bedeutung hat. Der Geschichtsschreiber Adam von Bremen nannte die Wikinger Ascomanni, âEschenmĂ€nnerâ. Es gab Schiffe, die askr oder askvitul hieĂen.cite-ref-81[81] Dies kann darauf zurĂŒckzufĂŒhren sein, dass die Schiffe unter der Wasserlinie zwar aus Eichenholz, oberhalb der Wasserlinie aber oft aus Eschenholz gebaut gewesen sein sollen, was sich aber archĂ€ologisch nicht sicher belegen lĂ€sst. Der Schwager von Erik Blutaxt hieĂ Eyvindr skreyja (âSchreierâ), dessen Bruder Ălfr trug den Beinamen Askmaðr. Die Araber nannten die nordischen Seekrieger, die hin und wieder ihre KĂŒsten heimsuchten, al-MadschĆ«s.
In den irischen Annalen unterschied man zwischen dĂ€nischen und norwegischen Wikingern. Die dĂ€nischen Wikinger wurden dubh (die Schwarzen) genannt, die norwegischen Wikinger finn (die WeiĂen). Dies ist angeblich auf die Farbe ihrer Schilde zurĂŒckzufĂŒhren. Von der Entscheidungsschlacht Olavs des Heiligen bei Nesjar berichtet der Skalde Sigvat als Augenzeuge, dass die Schilde seiner MĂ€nner weiĂ gewesen seien.cite-ref-82[82] Zusammen waren sie gall (die Fremden).cite-ref-83[83] TatsĂ€chlich hatten die Schilde oft verschiedene Farben. Auch auf dem Teppich von Bayeux sind Langschilde in verschiedenen Farben zu sehen.
AktivitÀten
Quellen
FĂŒr die AktivitĂ€ten der Wikinger gibt es höchst unterschiedliche Quellen mit sehr unterschiedlichem Aussagewert. Die Hauptquellen sind:
âą Runensteine: Sie enthalten zuverlĂ€ssige Aussagen ĂŒber die dort verewigten Personen. Allerdings stammen sie, soweit von Wikingern die Rede ist, in der Regel aus dem 11. Jahrhundert und geben wenig Aufschluss ĂŒber die Zeit davor. Ăltere enthalten zu wenig Text. Zum anderen betreffen die meisten Personen im Ostseeraum. Die Personen gehören der sozialen Oberschicht an und geben daher ein ganz spezifisches Wikingerbild wieder, das nicht verallgemeinert werden kann.
⹠Sagas: Sie schildern das Wikingerbild einer Oberschicht. Sie sind zwar ebenfalls in einer spÀten Zeit niedergeschrieben worden, aber die in ihnen enthaltenen Gedichte sind zweifellos sehr alt, oft zeitgenössisch und haben einen hohen Quellenwert.
âą Annalen und Chroniken: Sie sind im Frankenreich und in England niedergeschrieben worden. Ihr Quellenwert wird oft unterschĂ€tzt, indem man ihnen vorwirft, sie seien von Mönchen geschrieben worden und gĂ€ben daher ein einseitig negatives Bild der Wikinger wieder.cite-ref-84[84] Dem ist entgegenzuhalten, dass die Verfasser den Ereignissen in aller Regel sehr nahe standen und es keine Veranlassung gibt, an der Darstellung nur wegen ihres religiösen Hintergrundes zu zweifeln. Im Ăbrigen zeigt eine genaue LektĂŒre, dass sich durchaus anerkennende Passagen finden. Aber der Aussagewert ist gleichwohl begrenzt, da sie nur ganz selten quantitative Aussagen machen. Sie beschrĂ€nken sich auf die Ereignisse als solche. Im Wesentlichen handelt es sich um die Reichsannalen, die JahrbĂŒcher von St. Bertin, die JahrbĂŒcher von St. Vaast, die Xantener JahrbĂŒcher, die JahrbĂŒcher von Fulda, die Chronik von Regino von PrĂŒm, die Taten Karls von Notker Balbulus, De bello Parisiaco des Abbo von St. Germain, The Anglo-Saxon Chronicle, De rebus gestis Aelfredi von Asser und das Chronicon von Aethelweard.
âą Hagiographie und Translationsberichte: Dies ist die am meisten unterschĂ€tzte Quellengattung. Wenn die Lebensbeschreibung des Heiligen einer kritischen Distanz entbehrt, so hat doch die Einbettung in das Zeitgeschehen eine hohe GlaubwĂŒrdigkeit, zumal sie oft genug in der Beschreibung der Ereignisse mit anderen Quellen ĂŒbereinstimmt. Hinzu kommt, dass die Verfasser oft in den betroffenen Klöstern saĂen und die Geschehnisse aus nĂ€chster NĂ€he verfolgen konnten. Ergiebig in dieser Hinsicht sind die anonyme Translatio S. Germani und die Miracula S. Filiberti. Sie sind hier nur ĂŒber die SekundĂ€rliteratur benutzt.
⹠Bei der ArchÀologie ist das entscheidende Problem, die entsprechenden Funde zuzuordnen und im Zusammenhang zu interpretieren.
Lebensweise und Unternehmungen
Die AuĂenwahrnehmung der Wikinger unterschied sich radikal von ihrer Selbstwahrnehmung, wobei als Binnensicht nur die Sicht der aristokratischen Wikinger in den Sagas und auf den Runensteinen ĂŒberliefert ist. Die in Frankreich und England plĂŒndernden Wikinger haben keine Zeugnisse ihres SelbstverstĂ€ndnisses hinterlassen. Durch die kontinentale Wahrnehmung und Ăberlieferung erhielten die Wikinger eine Aufmerksamkeit, die ĂŒber ihre Bedeutung in der innerskandinavischen Geschichte weit hinausgeht.cite-ref-85[85] Bei den Wikingern der Saga-Literatur handelte es sich um eine Lebensphase einiger Adliger, die spĂ€ter in ein normales bĂ€uerliches Leben zurĂŒckfanden.cite-ref-86[86] Egill Skallagrimsson beschloss sein Leben als Bauer in Island. Bei den ĂŒbrigen Wikingern handelte es sich um eine soziale Gruppe, die sich aus der skandinavischen Gesellschaft ausgegliedert hatte. Diese wurden nur noch als Feinde der GroĂen und des Königs gesehen, so dass sie fĂŒr die innerskandinavische Geschichte nur eine begrenzte Rolle â eben als Feinde â spielten. Die Quellen in ihrer Gesamtheit zeigen ein auĂerordentlich divergierendes Bild von den Wikingern.
In Diplomen König Ethelwulfs von Wessex, die bestimmte Klöster von Steuern befreiten, wird die Pflicht zur Verteidigung gegen die unglaublich grausamen, barbarischen Feinde ausgenommen.cite-ref-87[87] Das gesamte west- und ostfrĂ€nkische sowie das angelsĂ€chsische Quellenmaterial stimmt unabhĂ€ngig darĂŒber ĂŒberein, dass die Mordlust und Zerstörungswut ein hervorstechendes Merkmal der Angreifer war. Eine solche Quellenlage kann nicht mit Hinweis auf die durchweg christlichen Verfasser relativiert werden, zumal die wenigen arabischen Quellen aus Spanien das gleiche Bild beschreiben.cite-ref-88[88] Die kleineren, vor allem die hagiographischen Quellen betonen diese Eigenschaft besonders, wĂ€hrend die Habgier weniger Beachtung findet. Diese wird eher in den gröĂeren erzĂ€hlenden Quellen angefĂŒhrt.cite-ref-89[89]
Das Wikingerbild des 9. Jahrhunderts kommt in den Annales Bertiniani zum Jahr 841 wie folgt zum Ausdruck:
âInterea pyratae Danorum ab oceano Euripo devecti, Rotumum irruentes, rapinis, ferro ignique bachantes, urbem, monachos reliquumque vulgum vel caedibus vel captivitate pessumdederunt et omnia monasteria seu quaecumque loca flumini Sequanae adhaerentia aut depopulati sunt aut multis acceptis pecuniis territa reliquerunt.â
âInzwischen ĂŒberfielen dĂ€nische SeerĂ€uber von der Nordsee aus durch den Kanal fahrend Rouen, wĂŒteten mit Raub, Schwert und Feuer, schickten die Stadt, die Mönche und das ĂŒbrige Volk in den Tod oder in Gefangenschaft, verheerten alle Klöster, sowie alle Orte am Ufer der Seine oder lieĂen sie, nachdem sie sich viel Geld hatten geben lassen, in Schrecken zurĂŒck.â
â
Annales Bertiniani
zum Jahr 841.
Die im gleichen Zeitraum durchgefĂŒhrten Sachsenkriege Karls des GroĂen haben keineswegs in dieser Weise prĂ€gend auf die zeitgenössische Gedankenwelt eingewirkt, obgleich Alkuin dessen Vorgehen gegen die Sachsen scharf kritisierte. Wer in den lateinischen Texten eine antiskandinavische Parteinahme erkennt,cite-ref-90[90] ĂŒbersieht, dass es im damaligen Bewusstsein bereits eine Unterscheidung zwischen politisch motivierten KriegszĂŒgen und BeutezĂŒgen aus Habgier mit sinnloser Zerstörungswut gab. Von den innerfrĂ€nkischen Auseinandersetzungen beschrĂ€nken sich die Quellen in der Regel auf den Begriff depraedatio (Verheerung) oder devastare (verwĂŒsten) ohne genauere Beschreibung der VorgĂ€nge.
âOdo rex in Francia hiemavit, Karolus vero rex supra Mosellam. Exhinc hi qui cum Karolo erant Balduinum infestum habuere, et ubique depraedationes agebantur ab eis.â
âKönig Odo ĂŒberwinterte in Francien, König Karl aber an der Mosel. Von hier befehdeten Karls AnhĂ€nger den Balduin und ĂŒberall wurden von ihnen Verheerungen angerichtet.â
â
Annales Vedastini
zum Jahre 896.
Bei den Normannen heiĂt es dagegen:
âNortmanni incendiis et devastionibus in hiantes sanguinemque humanum sitientes ad interitum et perditionem regni mense Novembrio in monasterio sedem sibi ad hiemandum statuunt âŠâ
âDie Normannen aber, nach VerwĂŒstung und Mordbrennerei trachtend und dĂŒrstend nach Menschenblut, schlugen zum Unheil und Verderben des Reiches im November ihren Sitz im Kloster Gent auf âŠâ
â
Annales Vedastini zum Jahre 879.
Dieser unterschiedlichen Beschreibung ist sicher ein unterschiedliches Geschehen zuzuordnen.
Im altfriesischen Recht (17 Keuren und 24 Landrechte), die wohl im 11. Jahrhundert verschriftlicht wurden, wird von den skandinavischen Feinden gehandelt. In den 17 Keuren wird auf sie in drei Paragraphen eingegangen. In § 10 wird den Friesen zugestanden, dass sie zur Verteidigung gegen die heidnischen Heere (hethena here; northhiri)cite-ref-91[91] nach Osten nicht weiter als bis zur Weser und nach Westen nicht weiter als bis Fli (= Vlie in Friesland zwischen Vlieland und Terschelling) zu fahren brauchten.cite-ref-92[92] § 14 behandelte den Fall, dass jemand von den Nordmannen (nord mon; dae noerd manne) verschleppt worden war. In der niederdeutschen Variante dieser Keuren wurden diese Feinde als konnynck von Noerweghen, noerthliuden, dat northiere oder Noermannen bezeichnet. Wie man diese Wikinger sah, geht aus § 20 der 24 Landrechte hervor:
âDies ist das 20. Landrecht: Wenn Nordmannen (Northman) in das Land eindringen einen Mann gefangennehmen und fesseln, ihn auĂer Landes bringen und ihn dann mit ihm zurĂŒckkommen und ihn zwingen, HĂ€user niederzubrennen, Frauen zu vergewaltigen, MĂ€nner zu erschlagen, Kirchen niederzubrennen und was man noch fĂŒr Schaden anrichten kann, und wenn er dann flieht oder aus der Gefangenschaft freigekauft wird, und nach Hause und zu seinem Volk zurĂŒckkommt und seinen Bruder, seine Schwester, sein angestammtes Haus und Heim, den Hof und Grund seiner Vorfahren wiedererkennt, da gehe er straflos zu seinem eigenen Besitz. Wenn jemand ihn zum Thing lĂ€dt und ihn dieses Verbrechens der groĂen Untat beschuldigt, das er vorher mit den Wikingern (mith tha witsingon) begangen hatte, dann muss er auf dem Thing erscheinen und offen reden. Und einen Eid muss er dort auf die Reliquien schwören, dass er all dieses nur unter Zwang getan hat, wie es ihm sein Herr befohlen habe, als er ein Mann war, der nicht ĂŒber Leib und Leben bestimmen konnte. Dann ist weder das Volk noch der Vogt berechtigt, ihn einer Schuld oder Verbrechens zu bezichtigen, weil der Vogt ihm keinen Frieden bewahren konnte; der Unfreie musste tun, was ihm sein Herr gebot, um seines Lebens Willen.â
â
v. Richthofen S. 71 ff.
Ăberhaupt scheinen in den Wikingerhorden viele Einheimische gezwungenermaĂen oder als Kollaborateure mitgezogen zu sein. Bei den Frauen, die im Bericht ĂŒber die Besetzung von Angers durch Wikinger im Jahre 873 erwĂ€hnt werden, geht man davon aus, dass dies nicht Frauen aus der Heimat waren, sondern Teile der Beute:
âQuam cum punitissimam et pro situ loci inexpugnabilem esse vidissent, in laetitiam effusi hanc suis suorumque copiis tutissimum receptaculum adversus lacessitas bello gentes fore decernunt. Protinus navibus per Medanam fluvium deductis muroque applicatis, cum mulieribus et parvulis veluti in ea habitaturi intrant, diruta reparant, fossas vallosque renovant et ex ea prosilientes repentinis incursionibus circumiacentes regiones devastant.â
âAls sie sahen, dass diese Stadt wohlbefestigt und durch ihre natĂŒrliche Lage uneinnehmbar sei, waren sie darob voller Freude und beschlieĂen, dass sie fĂŒr ihre und ihrer Landsleute Truppen als sicherster Zufluchtsort vor den durch ihren Angriff gereizten Völkern dienen sollte. Sofort ziehen sie ihre Schiffe die Maine hinauf und legen sie an die Mauern an, dann halten sie mit Weib und Kind ihren Einzug, um darin zu wohnen, bessern sie aus, wo sie zerstört war, stellen die GrĂ€ben und WĂ€lle her und von dort in plötzlichen ĂberfĂ€llen hervorbrechend verwĂŒsten sie die Umgegend.â
â
Reginonis chronica zum Jahre 873.
In unmittelbarer NĂ€he zu festen Lagern kam es wahrscheinlich zu Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung.cite-ref-94[94] Dies dĂŒrfte gar bei Belagerungen der Fall gewesen sein. Anders lĂ€sst sich folgende Schilderung anlĂ€sslich der Belagerung von Paris nicht erklĂ€ren:
âDum haec aguntur, episcopus gravi corruit infirmitate, diem clausit extremum in loculoque positus est in ipsa civitate. Cuius obitus Nortmannis non latuit; et antequam civibus eius obitus nuntiaretur, a Nortmannis deforis praedicatur episcopum esse mortuum.â
âWĂ€hrenddessen wurde aber der Bischof von schwerer Krankheit befallen und beschloss sein Leben, und er wurde in der Stadt selbst in einem Holzsarg beigesetzt. Sein Tod blieb jedoch den Normannen nicht verborgen: noch ehe sein Verscheiden den Einwohnern bekannt geworden war, wurde von den Normannen von drauĂen verkĂŒndet, der Bischof sei gestorben.â
â
Annales Vedastini zum Jahre 886.
Das friesische Gesetz von 1085, welches v. Richthofen nach vier Handschriften herausgegeben hat, benutzt in einer Handschrift das Wort âWikingerâ (northeska wiszegge) bei der Festsetzung der Hilfspflicht der Nachbarn bei einem Ăberfall. Eine andere hat an dieser Stelle tha Nordmanum, die dritte northeska wigandum und die vierte niederdeutsche bietet northesca gygandĂŒm. In den âSieben MagnuskĂŒrenâ (wahrscheinlich aus dem 11. Jahrhundert), in denen die Freiheiten der Friesen festgelegt wurden, heiĂt es:
âDae kaes Magnus den fyfta kerre ende alle Fresen oen zijn kerre iechten, dat hia nen hereferd ferra fara ne wolde dan aester toe dir Wisere ende wester toe dae Fle op mey dae floede ende wt mey dae ebba, omdat dat se den ower wariath deis ende nachtis iens den noerdkoning ende iens den wilda witzenges sees floed mey dae fyf wepenum: mey swirde ende mey sciolde, mey spada ende mey furka ende mey etekeris orde.â
âDa wĂ€hlte Magnus die fĂŒnfte KĂŒre â und alle Friesen stimmten zu, dass sie auf keiner Heerfahrt weiter ziehen wollen als ostwĂ€rts bis zur Weser und westwĂ€rts bis zum Fly und nicht weiter in das Land als hin zur Flutzeit und zurĂŒck zur Zeit der Ebbe, weil sie Tag und Nacht das Meeresufer vor dem nordischen König und vor der Flut der wilden Wikinger mit fĂŒnf Waffen schĂŒtzen: Mit Schwert und Schild, mit Spaten und Forke und mit der Spitze des Speeres.â
Die Gefangenen wurden zum Bau von Befestigungen herangezogen. In den Miracula S. Benedicti des Adrevald von Fleury (kurz nach 867 geschrieben) wird berichtet, dass christliche Gefangene ein festes Lager errichten mussten, wÀhrend die Normannen sich erholt hÀtten.cite-ref-95[95]
Auf der anderen Seite werden die Tapferkeit und die Ausdauer der Wikinger durchaus anerkannt. Im Heldengedicht ĂŒber die Schlacht bei Maldon, in der die Norweger einen entscheidenden Sieg erringen, werden sie als tapfere See-Helden geschildert.cite-ref-96[96] Regino von PrĂŒm zollt der Tapferkeit der Wikinger seine Anerkennung. In seiner Chronik zum Jahre 874 schildert er die Begegnung zwischen Vurfand, einem Vasallen König Salomons, mit dem Wikinger Hasting. Die beiden begegnen sich von gleich zu gleich und respektieren einander als Mitglieder des gleichen sozialen Standes.cite-ref-97[97] Zum Jahr 888 beginnt er die Schilderung der Belagerung von Paris mit dem anerkennenden Satz:
âEodem anno Nortmanni, qui Parisiorum urbem obsidebant, miram et inauditam rem, non solum nostra, sed etiam superiore aetate fecerunt.â
âIm selben Jahr vollbrachten die Normannen bei der Belagerung von Paris eine wunderbare und nicht nur in unseren, sondern auch in den frĂŒheren Zeiten unerhörte Tat.â
â
Reginonis chronica 888.
Dabei schildert er ein paar Zeilen weiter, dass sie ganz Burgund durch Raub, Mord und Brand zu Grunde gerichtet hÀtten. Von einem antinormannischen schematischen Verdammungsklischee kann also keine Rede sein.
Die frĂ€nkischen Quellen sprechen von ungeheurer Beute, die die Wikinger auf ihren RaubzĂŒgen gemacht hĂ€tten. Damit stimmen aber die vergleichsweise bescheidenen Schatzfunde in Skandinavien nicht ĂŒberein. Der allmĂ€hliche Ăbergang zu Ăberwinterungslagern im Frankenreich und in England zeigt eine sich von den heimatlichen Strukturen lösende soziale Gruppe, die in den sich entwickelnden zentralistischen Strukturen Skandinaviens nicht mehr integriert werden konnte.cite-ref-98[98] Die gewaltigen SchĂ€tze wurden nicht mehr in die Heimat gebracht. Die Wikinger, die in den frĂ€nkischen Quellen beschrieben werden, sind ein anderer Menschenschlag als der, den Egill Skallagrimsson verkörpert oder der auf den Runensteinen gepriesen wird.
Ăber die Aufteilung der Beute geben die Quellen keine Auskunft. Wenn in The Anglo-Saxon Chronicle zum Jahre 897 gesagt wird, dass diejenigen DĂ€nen, die kein Geld hatten, sich auf ihren Schiffen wieder nach Frankreich begaben, so deutet das darauf hin, dass diese SchĂ€tze offenbar nicht jedermann in gleichem MaĂe zur VerfĂŒgung standen.
die-wikingerraubz-c3-bcge-im-rheinlanddie-wikingerraubz-ge-im-rheinland Die WikingerraubzĂŒge im Rheinland
Im Herbst 881 fielen Wikinger, die in Elsloo (Flandern) ein festes Lager eingerichtet hatten, in das Rheinland ein und verwĂŒsteten im GroĂraum Aachen und in der Eifel StĂ€dte, Dörfer und Klöster. Im FrĂŒhjahr 882 fuhren einige hundert Krieger mit Schiffen den Rhein und die Mosel hinauf und plĂŒnderten dort ebenfalls StĂ€dte und Klöster. Im Februar 892 erfolgte ein weiterer Kriegszug an die Mosel und den Rhein.
Die FĂŒhrung
UrsprĂŒnglich waren die Wikingerkönige Seekönige ohne Land. Es handelte sich um AnfĂŒhrer von RaubzĂŒgen aus königlicher Familie. Sie sollen sogar auf ihren Schiffen ĂŒberwintert haben. Denn in einer Beratung zwischen König Olav dem Heiligen und dem Schwedenkönig Ănund (auch Anund, Sohn des Olof Skötkonung) sagt Olav: âWir haben doch ein sehr starkes Heer und gute Schiffe die Menge, und wir können sehr wohl den ganzen Winter hindurch an Bord unserer Schiffe bleiben nach der Art der alten Wikingerkönige.âcite-ref-99[99] Aber da versagen ihm die Schiffsleute die Gefolgschaft. Eine Ăberwinterung vor Ort kommt bei ihnen nicht in Betracht.
Im frĂ€nkischen VerstĂ€ndnis der Wikingerzeit waren âKönigâ und âVolkâ bereits einander zugeordnete GröĂen. Das war noch im 6. Jahrhundert anders. Befehls- und Disziplinargewalt des damaligen HeerfĂŒhrers waren noch sehr beschrĂ€nkt. Als Karl der GroĂe 810 erfuhr, dass eine Flotte König Gudfreds mit 200 Schiffen aus Nordmannia in Friesland eingefallen sei, wurde an seinem Hof ein Hauptangriff zu Lande erwartet, so dass sich der Kaiser veranlasst sah, dieser Gefahr persönlich mit einem Heer zu begegnen.cite-ref-100[100] Wenn auch die Zahl 200 ĂŒbertrieben ist, so ist doch von einer groĂen Flotte auszugehen. Als er vor Ort eingetroffen war, stellte sich heraus, dass die Flotte bereits abgezogen und Gudfred ermordet war. Da Friesland von den jĂŒtischen Herrschern als ihr Interessengebiet betrachtet wurde, ist es zweifelhaft, ob Gudfred diesen Raubzug tatsĂ€chlich veranlasst hatte. Aber am Hofe Karls des GroĂen konnte man sich bei einer so groĂen Zahl von Schiffen anderes nicht denken. Den Bau des Danewerkes konnten sich die Franken nicht anders vorstellen, als dass er durch einen Beschluss des Königs veranlasst worden sei.cite-ref-101[101] ArchĂ€ologische Untersuchungen haben aber ergeben, dass er viel frĂŒher und in mehreren Phasen errichtet worden ist. Karl der Kahle versuchte 860 und in den folgenden Jahren erfolglos, die Nordmannengruppen, die im Seine-Gebiet umherzogen, durch Tributzahlungen, Treueversprechen und Taufen zu bĂ€ndigen,cite-ref-102[102] ohne zu berĂŒcksichtigen, dass fĂŒr diese das Christentum und das Lehnsrecht und ĂŒberhaupt das âfrĂ€nkische Systemâ ohne Bedeutung war.cite-ref-103[103] Auch sein Nachfolger Karl der Dicke gab noch ihrem AnfĂŒhrer (rex) Sigfried 886 ein hohes Lösegeld, damit er die Belagerung von Paris abbrĂ€che. Sigfried nahm das Lösegeld und zog tatsĂ€chlich ab. Aber ein Teil seiner Truppen wĂ€hnte sich um die Beute geprellt und setzte gegen seinen Willen die Belagerung fort. Dabei verloren zwei weitere reges ihr Leben. Gleichwohl wurde die Belagerung fortgesetzt, was darauf hindeutet, dass noch mehr reges vor Ort waren.cite-ref-104[104] Es operierten immer nur kleine Gruppen nebeneinander, ein einheitliches Oberkommando gab es allenfalls fĂŒr gemeinsame Aktionen, die AutoritĂ€t des AnfĂŒhrers war nur durch seinen Erfolg beim Beutezug gewĂ€hrleistet, wenn er auch immer aus dem Adel stammte. Die einzig wirklich anerkannte Befehlsgewalt ĂŒber einen Krieger dĂŒrfte wohl nur vom einzelnen SchiffsfĂŒhrer ausgegangen sein, soweit dies zur Handhabung des Schiffes notwendig war.
Daneben werden in den frĂ€nkischen Quellen die Bezeichnungen princeps, dux und comes verwendet, wenn es sich um kleinere Einheiten handelt. Dabei muss die zu befehligende Gruppe nicht groĂ sein. Hundeus fĂ€hrt 896 mit fĂŒnf Barken in die Seine ein. Er wird in den Annales Vedastini zum Jahre 896 als dux bezeichnet.
Die Dynamik der Wikinger-RaubzĂŒge ging relativ rasch wenigstens teilweise in regulĂ€re KriegszĂŒge mit politischem Hintergrund ĂŒber. Das unterscheidet sie von den wendischen SeerĂ€ubern im 12. Jahrhundert. Dieser Unterschied drĂŒckt sich in den Quellen aus, in denen die heidnischen Slawen immer Barbaren genannt werden, wĂ€hrend dies bei den heidnischen Skandinaviern nicht immer der Fall ist, sondern sie hĂ€ufig dani, normanni oder suenes heiĂen. Das politische Ziel der Herrschaftsausweitung setzte sich bei den KriegszĂŒgen erst ganz allmĂ€hlich durch. Reine Beutelust bei den Kriegern und politische Ziele bei den AnfĂŒhrern verschrĂ€nkten sich noch lange Zeit, weshalb die Zuordnung eines Kriegszuges zu âWikingerzĂŒgenâ oder âEroberungskriegenâ höchst problematisch ist. Diese Entwicklung findet ihren literarischen Niederschlag darin, dass in den Königssagas die regierenden Könige trotz aller kriegerischen Unternehmungen, die natĂŒrlich mit Beute verbunden waren, nie âWikingerâ genannt werden. Im Zusammenhang mit Harald Blauzahn wird von seinem Neffen Gullharald berichtet, dass er, da er nicht König wurde, stattdessen âWikingerâ wurde. Hier wird also nur der nicht zum Zuge kommende ThronprĂ€tendent als âWikingerâ bezeichnet, der seinen Unterhalt durch RaubzĂŒge erstreitet.cite-ref-105[105]
Abgrenzungsprobleme
Bei der Schilderung der AktivitĂ€ten ist zu berĂŒcksichtigen, dass es keine Abgrenzungen gibt. Der Ăberfall zu Beginn der Wikingerzeit auf schottische Klöster und die regulĂ€ren KriegszĂŒge nach England, bei denen man eher von Invasionen sprechen muss, oder die KĂ€mpfe um Dublin sind prinzipiell verschieden. Die ĂbergĂ€nge sind flieĂend. Das eine Unternehmen den Wikingern zuzuschreiben, andere aber als solche von Nordmannen zu bezeichnen, kann zu einer willkĂŒrlichen Trennung von historisch Zusammengehörigem fĂŒhren. Denn was als WikingerĂŒberfall begann, kann von den gleichen Mannschaften unter neuer FĂŒhrung spĂ€ter zu einer regelrechten Invasion oder zu einem regulĂ€ren Kriegszug mit PlĂŒnderungen als Begleiterscheinung geraten. Benjamin Scheller unterscheidet drei Phasen: Den Beginn der ersten Phase setzt er mit dem Ăberfall auf das Kloster Lindisfarne 793 an. Die RaubzĂŒge waren auf die Sommermonate beschrĂ€nkt, und die Wikinger kehrten danach wieder in die Heimat zurĂŒck. Den Beginn der zweiten Phase setzt er auf 843. Seit diesem Jahr kehrten die Wikinger nicht mehr zurĂŒck, sondern ĂŒberwinterten vor Ort. Die Gruppen schlossen sich zu gröĂeren VerbĂ€nden unter einheitlicher FĂŒhrung zusammen und kamen nicht mehr nur ĂŒber das Meer, sondern auch ĂŒber Land und zogen auch die FlĂŒsse hinauf. Den Beginn der Endphase datiert er auf 876, als es in England zu einer wikingischen Immigration kam, die zu einer Eroberung von Land und Aufteilung des Landes unter die Gefolgsleute fĂŒhrte.cite-ref-bs-211-106-0[106]
AuĂerdem ist zwischen punktuellen ĂberfĂ€llen und den regulĂ€ren und gröĂer angelegten RaubzĂŒgen zu unterscheiden. Ein typisches Beispiel bietet Einhards Leben Karls des GroĂen:
âUltimum contra Normannos, qui Dani vocantur, primo pyraticam exercentes, deinde maiori classe litora Galliae atque Germaniae vastantes, bellum susceptum est. Quorum rex Godofridus adeo vana spe inflatus erat, ut sibi totius Germaniae promitteret potestatem.â
âAls letzter Krieg wurde der gegen die Normannen unternommen, die DĂ€nen genannt werden, und zuerst SeerĂ€uberei trieben, dann mit einer gröĂeren Flotte die KĂŒste Galliens und Germaniens verwĂŒsteten. Ihr König Gudfred war von so eitler Hoffnung aufgeblasen, dass er sich die Herrschaft ĂŒber ganz Germanien versprach.â
â
Einhardi vita Karoli, Kap. 14.
Hier wird im Zeitschema âzuerst â dannâ deutlich zwischen RaubĂŒberfall und groĂ angelegten PlĂŒnderungszĂŒgen unterschieden und anschlieĂend die rĂ€umliche Eroberung durch den König angesprochen.cite-ref-108[108] Auf jeden Fall ist den Quellen nirgends zu entnehmen, dass die ĂberwinterungsstĂŒtzpunkte in Franken oder in England als VorlĂ€uferaktionen zu einer Landnahme gesehen wurden.cite-ref-109[109]
Ein Umschwung der Zielsetzung ist in England erst zu beobachten, als 875/876 das Danelag entstand und die Normannen begannen, sich regulĂ€r niederzulassen. FĂŒr das Frankenreich ist hier die Belehnung Rollos zu nennen. Aber damit endeten die RaubzĂŒge der Wikinger keineswegs, sondern die SiedlungstĂ€tigkeit nahm ganz allmĂ€hlich zu und die privaten RaubzĂŒge nahmen ebenso allmĂ€hlich ab. Deshalb werden die AktivitĂ€ten der NordmĂ€nner in der Wikingerzeit ohne Unterscheidung zwischen Wikinger im engeren Sinne und Nordmannen im Artikel Wikingerzeit dargestellt. Dort finden sich auch die Theorien ĂŒber die GrĂŒnde fĂŒr diese Entwicklung.
VerhÀltnis zwischen Raub und zivilem Erwerb
Aus den Silberdepotfunden lĂ€sst sich nicht erkennen, welcher Anteil auf Raub oder Lösegeld und welcher auf den Handel zurĂŒckzufĂŒhren ist, wenn auch diese TĂ€tigkeiten in den Quellen terminologisch scharf getrennt werden. So heiĂt es in der Egilssaga ĂŒber den Seefahrer Björn:
âBjörn var farmaðr mikill, var stundum Ă vĂking, en stundum Ă kaupferðum âŠâ
âBjörn war ein groĂer Seefahrer und war zeitweise auf Wikingfahrt und zeitweise auf Handelsfahrt âŠâ
â
Egils saga Kap. 21.
Und ĂŒber Ăorir klakka in der Heimskringla:
âMaðr er nefndr ĂĂłrir klakka, vin mikill HĂĄkonar jarls, ok var longum Ă vĂking, en stundum Ă kaupferðum âŠâ
âEin Mann hieĂ Ăorir klakka, ein groĂer Freund von Jarl HĂ„kon, war lange Wikinger gewesen, zeitweise auch als Kaufmann gefahren âŠâ
â
Saga von Olav Tryggvason Kap. 46.
Von Björn, dem Sohn Harald HĂ„rfagres, König ĂŒber Vestfold wird ausdrĂŒcklich betont, dass er selten in den Krieg zog, sondern von TĂžnsberg aus Handelsverbindungen nach Vik in der NĂ€he, nach den LĂ€ndern im hohen Norden, nach DĂ€nemark und dem Sachsenland unterhielt und deshalb den Beinamen âSeefahrerâ oder âKaufmannâ erhielt.cite-ref-110[110] Hier wird terminologisch zwischen Handelsfahrt und Wikingfahrt unterschieden.
Die ĂŒberlieferten Handelswege wurden in der Wikingerzeit genutzt. Regis Boyer beschreibt sie als wehrhafte Kauffahrer, die sich je nach Lage entschieden, zu plĂŒndern statt zu handeln. Gehandelt wurde mit allem: Lebensmittel (Dörrfleisch und -Fisch), Tuche, Felle, Holz, Elfenbein, Schmuck, Waffen, und auch mit Sklaven. Sklaven waren Unfreie, die unterste soziale Schicht der nordischen Gesellschaft. Ansgar trifft in Birka offenbar auf christliche Sklaven.cite-ref-111[111]
Aus den geschilderten reichen Hacksilberfunden in England lÀsst sich nur vermuten, dass vor allem Silber geraubt und damit Handel getrieben wurde.
Aus den Runeninschriften ĂŒber die Fahrten der Toten zu ihren Lebzeiten und ĂŒber die Erlebnisse der Heimgekehrten lassen sich nur begrenzt RĂŒckschlĂŒsse auf das VerhĂ€ltnis zwischen Raubfahrten und Handelsfahrten ziehen. Da die Runensteine der ausgehenden Wikingerzeit Gedenksteine sind, beziehen sie sich ĂŒberwiegend auf die Toten. Der HĂ€ndler, der den Reichtum eines Klosters wahrnahm, konnte im folgenden Jahr als Mitglied eines Raubzuges das gleiche Kloster aufsuchen. Der SeerĂ€uber konnte das geraubte Gut, zum Beispiel Sklaven, auf einem Markt als Ware feilbieten. Es ist ĂŒberhaupt nicht davon auszugehen, dass sich ĂŒberall alle Wikinger gleich verhielten. Das gilt auch fĂŒr die Mitglieder reiner RĂ€uberbanden.
Es spricht viel dafĂŒr, dass der Stein, der in RösĂ„s (Kronobergs lĂ€n) gefunden wurde, fĂŒr einen christlichen Kaufmann in England Anfang des 11. Jahrhunderts errichtet wurde, da der Bestattungsort Bath weit auĂerhalb des skandinavischen Siedlungsgebietes liegt. Das spricht fĂŒr eine Trennung zwischen Wikinger und HĂ€ndler, da dieser Mann dann nicht als Wikinger gelten kann.cite-ref-112[112]
Rimbert schildert den Einfall der Schweden in Kurland um 852. Dort werden im Heer neben den KĂ€mpfern auch negotiatiores (HĂ€ndler) erwĂ€hnt und von diesen deutlich unterschieden, die bei der erfolglosen Belagerung GrobiĆas vorschlagen, mit einem Losorakel bei Christus um Hilfe nachzufragen.cite-ref-113[113]
Ein wohl damals typisches Verhalten wird in der Geschichte Olavs des Heiligen geschildert. ĂĂłrir hundur, Karli und dessen Bruder Gunsteinn fahren auf vĂking nach Bjarmaland:
âEn er ĂŸeir komu til Bjarmalands ĂŸĂĄ lögðu ĂŸeir til kaupstaðar. TĂłkst ĂŸar kaupstefna. Fengu ĂŸeir menn allir fullrÊði fjĂĄr er fĂ© höfðu til að verja. ĂĂłrir fĂ©kk Ăłf grĂĄvöru og bjĂłr og safala. Karli hafði og allmikið fĂ© ĂŸað er hann keypti skinnavöru marga. En er ĂŸar var lokið kaupstefnu ĂŸĂĄ hĂ©ldu ĂŸeir Ășt eftir ĂĄnni VĂnu. Var ĂŸĂĄ sundur sagt friði við landsmenn. En er ĂŸeir koma til hafs Ășt ĂŸĂĄ eiga ĂŸeir skiparastefnu. Spyr ĂĂłrir ef mönnum sĂ© nokkur hugur ĂĄ að ganga upp ĂĄ land og fĂĄ sĂ©r fjĂĄr. Menn svöruðu að ĂŸess voru fĂșsir ef fĂ©föng lĂŠgju brĂœn við. ĂĂłrir segir að fĂ© mundi fĂĄst ef ferð sĂș tĂŠkist vel âen eigi ĂłvĂŠnt að mannhĂŠtta gerist Ă förinni.â Allir sögðu að til vildu råða ef fjĂĄrvon vĂŠri.â
âAls sie nun in Bjarmaland kamen, ankerten sie bei einem Handelsplatz, und dort fand ein Markt statt, und die, die reichlich zahlen konnten, erwarben sich dort Waren in FĂŒlle. ĂĂłrir kaufte sich eine Menge Grauwerk sowie Biberfelle und Zobelpelze. Auch Karli hatte reichlich Geld, wovon er viel Pelzwerk kaufte. Als nun der Markt geschlossen war, segelten sie den Dwinastrom hinab, und darauf wurde der Friede mit der Landbevölkerung fĂŒr beendet erklĂ€rt. Als sie nun auf die See hinausgekommen waren, da hielten die beiden Heerhaufen eine Beratung darĂŒber ab, und ĂĂłrir fragte, ob die MĂ€nner alle gesonnen seien, an Land zu gehen und dort Beute zu machen. Die MĂ€nner erwiderten, sie tĂ€ten das sehr gerne, wenn bestimmte Beute in Aussicht stehe. ĂĂłrir erklĂ€rte, man werde dort wohl sicher Beute machen, wenn ihr Zug einen guten Ausgang nehme, aber es sei nicht unwahrscheinlich, dass Menschenleben auf der Fahrt aufs Spiel gesetzt werden mĂŒssten. Da erklĂ€rten alle, man wolle den Zug schon wagen, wenn man auf Beute hoffen dĂŒrfe.â
â
Heimskringla. Ălafs saga helga. Kap. 133.
Snorri und seine Leser hielten es jedenfalls fĂŒr die Zeit Olavs des Heiligen fĂŒr selbstverstĂ€ndlich, dass auf der gleichen Fahrt gehandelt und geraubt wurde, ja, es ist sogar ein Ritual fĂŒr den Wechsel angedeutet, indem der Friede besonders âaufgekĂŒndigtâ wird. AuĂerdem erkennt man die besondere Motivation durch zu erwartende Beute. Wenn keine Beute zu erwarten war, unterlieĂ man kriegerische Unternehmungen.
âĂar var skammt ĂĄ land upp jarl sĂĄ, er Arnfinnur er nefndur; en er hann spurði, að vĂkingar voru ĂŸar komnir við land, ĂŸĂĄ sendi hann menn sĂna ĂĄ fund ĂŸeirra ĂŸess erindis að vita, hvort ĂŸeir vildu ĂŸar friðland hafa eða hernað. En er sendimenn voru komnir ĂĄ fund ĂĂłrĂłlfs með sĂn erindi, ĂŸĂĄ sagði hann, að ĂŸeir myndu ĂŸar ekki herja, sagði, að ĂŸeim var engi nauðsyn til að herja ĂŸar og fara herskildi, sagði, að ĂŸar var land ekki auðugt.â
âEtwas landeinwĂ€rts wohnte ein Jarl namens Arnfin. Als er hörte, dass Wikinger ins Land gekommen seien, sandte er seine Mannen ihnen entgegen mit dem Auftrag zu erkunden, ob sie in Frieden oder in Feindschaft kĂ€men. Da die Gesandten mit ihrer Botschaft zu Thorolf kamen, sagte dieser, sie wĂŒrden hier nicht heeren. Er meinte, sie empfĂ€nden gar kein BedĂŒrfnis dort zu heeren und kriegerisch vorzugehen. Das Land sei ja nicht reich.â
â
Egils saga Kap. 48.
Diese untrennbare VerschrĂ€nkung von Raub und zivilem Erwerb wird besonders am Begriff des felagi (Plural felagaR) deutlich, das âGenosseâ bedeutet. FelagaR waren MĂ€nner, die Teile ihres beweglichen Vermögens zusammenlegten, das fortan einem gemeinsamen Unternehmen diente. Gewinn und Risiko trugen sie gemeinsam. Aber auch Kameraden auf gemeinsamem Kriegszug waren felagaR. Welcher Art die Unternehmungen waren, ist umstritten. Finnur JĂłnsson verfocht die Auffassung, es habe sich um reine Handelsfahrten gehandelt, Magnus Olsen hielt die Felagi dagegen fĂŒr Kameraden auf dem Kriegszug. Die Verfasser der Danske Runeinnskrifter nehmen fĂŒr die dĂ€nischen Runensteine ausschlieĂlich die kriegerische Bedeutung an. Dabei ist zu berĂŒcksichtigen, dass in der frĂŒhen Zeit des Raubhandels nicht ĂŒberall eine strikte Trennung zwischen diesen BetĂ€tigungen gegeben war.
FĂŒr die Wikinger, die im 9. Jahrhundert das Frankenreich und England heimsuchten, gilt das nicht. MĂ€nner, die mehrere Jahre in befestigten Lagern hausten und brennend und mordend durch die Lande streiften, waren keine Bauern und hatten keine Kenntnisse auf dem Gebiet des Handels. Das war eine völlig andere soziale Gruppe mit eigenen Gesetzen und Handlungsnormen. Andere beteiligten sich an dem einen oder anderen Unternehmen, doch die meisten dĂŒrften sich ĂŒberhaupt nicht beteiligt haben.
Handel
â
Hauptartikel
:
"Handel" auf "Wikingerzeit"
Vertragstreue
In den frĂ€nkischen und angelsĂ€chsischen Quellen wird die Vertragstreue unterschiedlich beurteilt. Da VertrĂ€ge personengebunden waren, hing sie sicher vom Charakter und der Einstellung der vertragschlieĂenden Personen ab. DarĂŒber hinaus ist zu berĂŒcksichtigen, dass Vertragstreue nicht unbedingt ethisch motiviert sein muss. Mit Personen, die VertrĂ€ge nicht einhalten, schlieĂt man keine weiteren VertrĂ€ge. Wenn immer wieder Tributzahlungen an Wikinger geleistet worden sind, um sie von Angriffen abzuhalten, mĂŒssen also die tributzahlenden Vertragspartner die Erfahrung gemacht haben, dass danach die Angriffe in aller Regel unterblieben. DarĂŒber hinaus ist zu berĂŒcksichtigen, dass zur damaligen Zeit VertrĂ€ge nur zwischen den Personen galten, die sie schlossen und darĂŒber hinaus keine Wirksamkeit entfalteten. Das ist auch aus den kontinentalen VasallenvertrĂ€gen bekannt, die nur zu Lebzeiten beider Partner galten und beim Tode des Herrn (Herrenfall) oder des Vasallen (Mannfall) endeten.cite-ref-115[115] Dies galt als allgemeiner Grundsatz auch fĂŒr die Wikinger.
âAnno Domini incarnationis DCCCLXXXIIII. Nortmanni, qui ab Haslon recesserant, Somnam fluvium intrant ibique consederunt. Quorum creberrimas incursiones cum Carlomannus sustinere non posset, pecuniam pollicetur, si a regno eius recederent. Mox avidae gentis animi ad optinendam pecuniam exardescunt et XII milia pondera argenti puri atque probati exigunt totidemque annis pacem promittunt. Accepta tam ingenti pecunia funes a litore solvunt, naves concendunt et marina litora repetunt. ⊠Nortmanni cognita morte regis protinus in regnum revertuntur. Itaque Hugo abba et ceteri proceres legatos ad eos dirigunt, promissionem et fidem datam violatam esse proclamant. Ad hac illi respondent, se cum Carlomanno rege, non cum alio aliquo foedus pepigisse; quisquis ille esset, qui ei in regnum succederet, eiusdem numeri et quantitatis pecuniam daret, si quiete ac pacifice imperium tenere vellet.â
âIm Jahr der göttlichen Menschwerdung 884 laufen die Normannen, die von Asselt abgezogen waren, in die Somme ein und lieĂen sich dort nieder. Da Karlmann ihren hĂ€ufigen EinfĂ€llen nicht widerstehen konnte, verheiĂt er ihnen Geld, wenn sie sein Reich verlieĂen. Bald brennen die Herzen dieses gierigen Volkes nach dem Empfange des Geldes, sie erheben 12.000 Pfund reinen und gelĂ€uterten Silbers und versprechen auf ebenso viel Jahre den Frieden. Nachdem sie eine so ungeheure Summe erhalten hatten, lösen sie die Taue von dem Ufer, besteigen ihre Schiffe und eilen nach den Seegestaden zurĂŒck. ⊠[Im gleichen Jahr stirbt Karlmann] ⊠Die Normannen kehren, als sie den Tod des Königs erfahren, sofort in das Reich zurĂŒck. Der Abt Hugo und die ĂŒbrigen GroĂen schicken daher Gesandte zu ihnen und halten ihnen vor, sie hĂ€tten ihr Versprechen und die von ihnen eingegangene Verpflichtung verletzt. Hierauf erwidern jene, sie hĂ€tten mit dem König Karlmann, nicht mit irgend jemand anderem, einen Vertrag geschlossen; wer der auch sein möchte, der ihm in der Regierung nachfolge, er mĂŒsse eine Geldsumme von gleichem Betrage und Gewicht hergeben, wenn er sein Reich in Ruhe und Frieden besitzen wolle.â
â
Reginonis chronica zum Jahr 884.
WĂ€hrend in den Quellen ganz ĂŒberwiegend festgehalten wird, dass die Wikinger nach Erhalt des Lösegeldes ihren Teil der Abmachung einhielten und abzogen, so wird doch hin und wieder geschildert, dass sie es mit der Vertragstreue nicht genau nahmen. Als sie in Angers von König Karl belagert wurden und in ernsthafte Gefahr gerieten, ihre Schiffe zu verlieren, da boten sie Lösegeld fĂŒr freien Abzug an.
âRex turpi cupiditate superatus pecuniam recepit et ab obsidione recedens hostibus vias patefecit. Illi conscensis navibus in Ligerim revertuntur et nequaquam, ut spoponderant, ex regno eius recesserunt; sed in eodem loco manentes multo peiora et inmaniora, quam antea facerant, perpetrarunt.â
âVon schnöder Habgier ĂŒbermannt nahm der König Karl der Kahle das Geld an, hob die Belagerung auf und gab den Feinden die StraĂe frei. Jene besteigen ihre Schiffe und kehren in die Loire zurĂŒck, entfernen sich aber keineswegs aus seinem Reiche, wie sie gelobt hatten, sondern in derselben Gegend verbleibend verĂŒbten sie noch viel schlimmere und unmenschlichere Dinge, als sie zuvor getan hatten.â
â
Reginonis chronica zum Jahr 873.
Als eklatanten Vertragsbruch schildert der Mönch von St. Vaast das Verhalten der Normannen bei der Belagerung von Meaux:
âInterim Nortmanni Meldis civitatem obsidione vallant, machinas instruunt, aggerem comportant ad capiendam urbem. ⊠Cumque hi qui infra civitatem erant inclusi, obsidione pertesi, fame attenuati, mortibus etiam suorum nimis afflicti, cernerent ex nulla parte sibi auxilium adfuturum, cum Normannis sibi notos agere coeperunt, ut data civitate vivi sinerentur abire. Quid plura? Refertur ad multitudinem, et sub spetie pacis obsidens dant. Reserantur portae, fit via Christianis, ut egrediantur, delegatis his qui eos quo vellent ducerent. Cumque amnem Maternam transissent et longius a civitate processissent, Nortmanni eos omnes insecuti comprehenderunt ipsum episcopum cum omni populo.â
âUnterdessen belagerten die Normannen die Stadt Meaux, stellten Belagerungsmaschinen auf und errichteten einen Damm, um die Stadt zu erobern. ⊠Und da die in der Stadt Eingeschlossenen, durch die Belagerung ermattet, durch Hunger entkrĂ€ftet und durch den Tod der ihrigen sehr betrĂŒbt, sahen, dass von keiner Seite Hilfe kommen werde, fingen sie an, mit Normannen, die ihnen bekannt waren, zu unterhandeln, dass sie nach Ăbergabe der Stadt ihres Lebens sicher abziehen dĂŒrften. Was weiter: der Vorschlag wurde der Menge mitgeteilt und von den Normannen zum Schein Geiseln gegeben. Die Stadttore wurden geöffnet, den Christen wurde der Weg freigemacht und ihnen Leute bestimmt, um sie zu fĂŒhren, wohin sie wollten. Nachdem sie aber die Marne ĂŒberschritten und sich schon weiter von der Stadt entfernt hatten, brachen die Normannen alle zu ihrer Verfolgung auf und machten den Bischof mit dem ganzen Volk zu Gefangenen.â
â
Annales Vedastini zum Jahr 888.
In den angelsĂ€chsischen Quellen ĂŒberwiegen die Schilderungen von VertragsbrĂŒchen.cite-ref-116[116] 876 kam es nach lĂ€ngeren KĂ€mpfen zu einem Vergleich, in welchem die Wikinger eidlich versprachen, Northumberland zu verlassen. Sie leisteten den Eid sowohl nach heidnischer Sitte auf den heiligen Armring und nach christlicher auf die Reliquien. Doch wurde der Schwur nicht gehalten, und noch im gleichen Jahr setzte sich Halfdan in Northumberland so fest, dass er das Reich unter die Seinigen aufteilen konnte.cite-ref-117[117]
Das Ende
Das Ende der RaubzĂŒge fĂ€llt nicht mit dem Ende des Zeitraums zusammen, den man die Wikingerzeit (1066 mit der Schlacht bei Hastings und der Zerstörung von Haithabu) nennt. Denn schon vorher hatten die privaten RaubzĂŒge weitgehend ihr Ende gefunden. Die Datierung des Endes hĂ€ngt damit zusammen, dass man die PlĂŒnderungszĂŒge norwegischer Könige im Zuge ihrer Kriege mit einbezieht, die sogar noch unter Magnus BerrfĂžtt (1073â1103) stattfanden, weshalb man ihn als den letzten Wikingerkönig bezeichnet hat. Diese PlĂŒnderung war die damals in ganz Europa ĂŒbliche Art, einen Krieg zu finanzieren, und ist nichts, was spezifisch auf Wikinger zu beziehen ist.
Die nachfolgend beschriebenen Ansiedlungen und Landzuweisungen fĂŒhrten keineswegs zu einem Ende der RaubzĂŒge. Aus den Mörderbanden wurden nicht friedliche Bauern und FamilienvĂ€ter. Die Quellen berichten auch nach den Landzuweisungen von blutigen KĂ€mpfen. Vielmehr ist eine allgemeine Erschöpfung der beteiligten Wikinger und eine Ăberalterung der Teilnehmer wahrscheinlicher. Das Eintrittsalter in eine Gefolgschaft wird mit 18 Jahren angesetzt. Mit 50 Jahren endete das Kriegerdasein. Nach den Quellen waren die gleichen Gruppen viele Jahre unterwegs. Die Verluste bei den KĂ€mpfen konnten allmĂ€hlich nicht mehr aus der ursprĂŒnglichen Heimat aufgefĂŒllt werden, da sich dort die negative Bewertung der raubenden Brandschatzung im Zuge der Erstarkung der Königsmacht immer mehr durchsetzte. Hinzu kam die allmĂ€hlich erstarkende Abwehr in den betroffenen Gebieten, die die vorher mehr oder weniger gefahrlosen RaubzĂŒge immer mehr zum unkalkulierbaren Risiko werden lieĂ. So ist der Ăbergang zu nach damaligen MaĂstĂ€ben zivilisiertem Verhalten zum einen dem biologischen Generationenwechsel, zum anderen den Frauen zuzuschreiben, die sich ja zum weitaus gröĂten Teil aus der Bevölkerung vor Ort rekrutierten und daher ihre Kultur der nachfolgenden Generation vermittelten, wĂ€hrend die marodierenden Wikingerbanden keine eigene Kultur hatten, die sie hĂ€tten tradieren können.cite-ref-118[118]
Ein wesentlicher Faktor dĂŒrfte auch die zunehmende Befestigung der zu plĂŒndernden Gebiete sein, die mit einer Professionalisierung der verteidigenden Heere einherging. Die Opfer der RaubzĂŒge entwickelten rasch Strategien, um den Wikingern etwas entgegensetzen zu können. StĂ€dte wurden mit Befestigungsanlagen versehen, wĂ€hrend an strategisch wichtigen Orten Burgen errichtet wurden, in die sich das Volk bei Gefahr flĂŒchten konnte. Wikinger waren im Allgemeinen nicht fĂ€hig eine solche Verteidigung zu ĂŒberwinden, wĂ€hrend die Garnison dieser Befestigungen eine stĂ€ndige Bedrohung fĂŒr PlĂŒnderverbĂ€nde darstellten.
England
In England setzte das Ende der RaubzĂŒge mit den ersten Niederlassungen in Northumbrien 876 ein und war im Wesentlichen um 918 abgeschlossen.cite-ref-119[119] Das bedeutet, dass sich das Ende bereits abzeichnete, als sich die Christianisierung Skandinaviens noch nicht durchgesetzt hatte, so dass dieser Vorgang nicht als Ursache herangezogen werden kann.
FĂŒr England berichtet die AngelsĂ€chsische Chronik:
â& ĂŸy geare Healfdene NorĂŸanhymbra lond gedĂŠlde. & ergende wĂŠron & hiera tilgende.â
â⊠und Halfdan verteilte das Land der Northumbrier, und sie begannen von da an zu pflĂŒgen und sich selbst zu versorgen.â
â
The Anglo-Saxon Chronicle, Manuscript A, zum Jahr 876.
Und Asser schreibt:
âEodem quoque anno Halfdene, rex illius partis Northanhymbrorum, totam regionem sibimet et suis divisit, et illam cum suo exercitu coluit.â
âIn diesem Jahr teilte Halfdan, der König dieses Teils von Northumbrien, die ganze Region unter sich und die seinen auf und bebaute es mit seinem Heer.â
â
De rebus gestis Ălfredi zum Jahr 876.
Die Beteiligten aus dem exercitus (Heer) waren noch Krieger, nicht Bauern. Die Sesshaftigkeit war Ergebnis der vorangegangenen Gewalt, nicht deren Ziel.cite-ref-120[120] In einer weiteren Stufe lieĂen sich Wikingergruppen 877 und 880 in Merciacite-ref-j877-121-0[121] und Ostangliencite-ref-j880-122-0[122] unter FĂŒhrung von Guthrum nieder. Ăthelweard schreibt, dass alle Einwohner dieses Landes sub iugo imperii sui (unter das Joch seiner Herrschaft) gebracht wurden.cite-ref-123[123] Auch hier war offenbar Gewalt noch an der Tagesordnung. Ein Teil seines Kontingentes zog 880 zu weiteren PlĂŒnderungszĂŒgen nach Frankreich.cite-ref-j880-122-1[122] 893 kamen sie aber mit 250 Schiffen nach England zurĂŒck. 897 teilte sich das Kontingent abermals nach schweren KĂ€mpfen, und der eine Teil ging zu den DĂ€nen in Northumbria und Ostanglien, der andere wieder nach Frankreich. AllmĂ€hlich löste sich der wikingische Raubverband auf. Aus der Gesamtschau des Quellenbestandes leitet Zettel ab, dass der Grund fĂŒr diese Entwicklung in der sich steigernden Abwehr der englischen Aristokratie auf der einen Seite und der zunehmenden Erschöpfung der normannischen Kampfressourcen auf der anderen Seite zu suchen sei.cite-ref-124[124] 875 hatte sie Alfred bei Ashdown besiegt. 877 hatten die Wikinger bei einem Sturm 120 Schiffe verloren.cite-ref-j877-121-1[121] Darauf verfolgte sie Alfred zu Lande, was dann zur Niederlassung in Mercia fĂŒhrte. Ein solcher Aderlass war nicht bald zu kompensieren. Aber die den Gesamtvorgang begleitenden harten KĂ€mpfe zeigen, dass hier noch marodierende Kampfgefolgschaften existierten. Der Integrationsprozess wird auf etwa 100 Jahre, also mindestens drei Generationen geschĂ€tzt.cite-ref-125[125] Nach Alfreds Sieg ĂŒber Guthrum 878 kam es zu einer vertraglichen Regelung.
In der Folgezeit ĂŒberzog Alfred das von ihm beherrschte Gebiet mit befestigten PlĂ€tzen, professionalisierte seine Haustruppen, indem er erstmals eine stehende Armee erschuf und stellte eine Kriegsflotte auf. Bei den spĂ€ter folgenden Wikingerangriffen erwiesen sich insbesondere die Befestigungsanlagen als sehr erfolgreich, da sie nicht nur als Aufmarschpunkt fĂŒr mögliche Gegenangriffe, sondern auch als sicherer Zufluchtsort fĂŒr Menschen und Kapital in Form von Vieh, Gold etc. dienten. RaubzĂŒge wurden damit immer weniger profitabel und zunehmend riskant. Im Burghal Hidage werden 33 befestigte PlĂ€tze genannt, deren Besatzung durch eigens freigestelltes Land finanziert wurde. Diese enormen Ausgaben deuten einerseits darauf hin, dass die Wikingergefahr weiterhin bestand und andererseits, dass diese Festungen ihre Aufgabe wie vorhergesehen erfĂŒllten.
Diese Taktik wurde von seinem Sohn Eduard der Ăltere, seiner Tochter Ethelfleda und spĂ€ter seinem Enkel Ăthelstan weitergefĂŒhrt, die in England siedelnde NordmĂ€nner durch eine Kombination aus Errichtung von Befestigungen und offenen Feldschlachten weiter und weiter zurĂŒckdrĂ€ngten, bis unter Ăthelstan erstmals ganz England wieder durch die Sachsen beherrscht wurde.
Frankreich
897 zogen diejenigen DĂ€nen, die kein Geld hatten, zu Schiff wieder nach Frankreich.cite-ref-126[126] Offenbar konnten sie sich bei ihren Stammesgenossen nur gegen Geld niederlassen.
896 kamen 5 normannische Schiffe in die Seine. Es kamen weitere Schiffe hinzu, und diese fuhren in die Oise und lieĂen sich in Choisy nieder.cite-ref-127[127] 897 machten sie einen Raubzug bis zur Maas. Aus Furcht vor dem auftauchenden königlichen Heer zogen sie an die Seine und fĂŒhrten dort weitere PlĂŒnderungszĂŒge durch. Ihr AnfĂŒhrer Hundeus lieĂ sich 897 taufen und verschwindet danach aus den Quellen. Stattdessen tritt nun Rollo hervor. Dieser erlitt in der Folgezeit mehrere schwere Niederlagen gegen die entschlossener werdende Abwehr der Franken unter Graf Robert und Herzog Richard, die er nicht mehr hinreichend kompensieren konnte. In den Quellen wird der Zusammenhang zwischen diesen Verlusten und der Bereitschaft zur Christianisierung immer wieder beschrieben.cite-ref-128[128] Es bestand die akute Gefahr einer vollstĂ€ndigen Vernichtung. Rollo kam nicht als StaatengrĂŒnder aus dem Norden, sondern ihm und dem Rest seiner Mannschaft, der von dem bereits dezimierten Teil der Normannen, die 896 aus England gekommen waren, noch ĂŒbrig geblieben war, wurde ein begrenztes Gebiet als Wohnsitz zugewiesen pro tutela regni (zum Schutz des Königreiches)cite-ref-129[129] Dabei wird der Ăbertritt zum Christentum als Mittel zur BesĂ€nftigung der Mordlust betrachtet und zur Bedingung der Landzuweisung. FĂŒr einen Plan, in der Normandie eine eigene Herrschaft zu begrĂŒnden, also fĂŒr einen Eroberungskrieg der Normannen gibt es in den Quellen keinen Hinweis. Allgemein wird der Abschluss des langwierigen Integrationsprozesses in der Normandie auf die Zeit um das Jahr 1000 angesetzt.cite-ref-130[130] Dabei spielte eine besondere Rolle, dass die Normannen bereits 920 in die innerfrĂ€nkischen Auseinandersetzungen hineingezogen wurden.cite-ref-131[131] Aber fĂŒr die ersten zwei Jahrzehnte nach dem Vertragsschluss ĂŒberwiegen noch die RaubzĂŒge.cite-ref-132[132] Sie fanden in der Bretagne, Aquitanien, in der Auvergne und Burgund statt. Die Wortwahl depraedari, vastare und pyratae bei Flodoard und in anderen Quellen lĂ€sst noch keinen Unterschied zur Zeit davor erkennen. Es werden wie vorher hohe Tribute fĂŒr den Frieden erpresst. Neu ist hier die Forderung nach Land, die 924 zur Ăberlassung weiterer Gebiete, darunter Bayeux, fĂŒhrte. Unter dem Sohn Rollos, Wilhelm, kam es noch zu PlĂŒnderungszĂŒgen. Die ĂberfĂ€lle auf die Gebiete der Rhein- und WaalmĂŒndung 1006 und 1007 waren nur noch sporadische ĂberfĂ€lle im Stil der Wikinger, aber nicht vergleichbar mit den groĂen PlĂŒnderungszĂŒgen der Vergangenheit.cite-ref-133[133]
AusrĂŒstung
Das Wichtigste fĂŒr die Wikinger waren die Schiffe und die Waffen.
Schiffe und Mannschaft
â
Hauptartikel
:
Wikingerschiff
,
Langschiff
und
Knorr (Schiffstyp)
FĂŒr die Wikinger der Sagas sind die Schiffstypen einigermaĂen bekannt. Bei den Kriegsschiffen handelte sich in der Regel um Langschiffe unterschiedlicher GröĂe. Dass die Wikinger auf diesen Schiffen Pferde zu ihren RaubzĂŒgen mitfĂŒhrten, ist unwahrscheinlich. In den Quellen wird dazu nichts berichtet. Angesichts der RuderbĂ€nke im Abstand von 70â100 cm und der zu verstauenden AusrĂŒstung wĂ€re das eher schwierig gewesen, zumal Wasser und Futter hĂ€tten mitgefĂŒhrt werden mĂŒssen. Soweit Pferde zum Einsatz kamen, dĂŒrften sie vor Ort requiriert worden sein. Asser berichtet, die Normannen hĂ€tten zur Belagerung von Rochester 884 ihre Pferde von Frankreich mitgebracht. Im Ăbrigen berichten er und die Anglo-Saxon Chronicle (zum Jahr 866), dass die Pferde vor Ort requiriert wurden.cite-ref-134[134] Ob die Wikinger selbst zu Pferde kĂ€mpften, ist nicht ĂŒberliefert. Aber der Kampf zu Pferde war durchaus bekannt.
Bei den WikingereinfĂ€llen im Frankenreich wird in keiner Quelle die Zahl der beteiligten Krieger genannt, sondern nur, dass es sich um ungeheure Mengen gehandelt habe. In einigen Quellen wird aber die Zahl der Schiffe angegeben. Um welche Schiffe es sich handelte, wird nicht gesagt. In angelsĂ€chsischen Quellen ist von scip-hlĂŠst die Rede, was eine Kampfgemeinschaft auf einem Schiff bedeutet, ohne dass es einen Hinweis auf die Zahl gibt. Zettel geht von einer durchschnittlichen MannschaftsstĂ€rke von 25â50 MĂ€nnern aus. Das wĂŒrde den kleinsten Langschiffen (13-Ruderer) entsprechen und multipliziert diese Zahlen mit den seltenen Angaben ĂŒber die Schiffszahlen.cite-ref-ze230-135-0[135] So kommt er dazu, dass die in den âReichsannalenâ erwĂ€hnten 13 Schiffe,cite-ref-136[136] die die flandrische KĂŒste brandschatzten, eine MannschaftsstĂ€rke von 350 bis 650 Mann transportierten. Das klingt plausibel, da sie von der örtlichen Bevölkerung abgewehrt werden konnten. Die Miracula S. Filiberti erwĂ€hnen 843 einen Angriff auf Nantes mit 67 Schiffen,cite-ref-zitat-ze230-137-0[137] was zu einer Truppe von zwischen 1.700 und 3.400 Mann fĂŒhren wĂŒrde. Eine weitere Quelle schildert eine Flotte von 120 Schiffen, die 845 in die Seine einlief und nach Paris vorrĂŒckte.cite-ref-j845-138-0[138] Dieser Zahl wĂŒrde eine MannschaftsstĂ€rke zwischen 3.000 und 6.000 Mann entsprechen. Dann heiĂt es aber weiter, dass König Karl sich zwar zum Kampf rĂŒstete, aber einsah, dass er die Normannen unmöglich besiegen konnte. Dass Karl aus seinem Hinterland keine entsprechende Truppe hat aufstellen können, erscheint wenig plausibel. Die Zahl der Wikinger dĂŒrfte da unterschĂ€tzt worden sein. 852 sollen die Normannen mit 252 Schiffen Friesland heimgesucht und Abgaben erhoben haben.cite-ref-139[139] Diese knappe Schilderung ohne ErwĂ€hnung von irgendwelchen Zerstörungen lĂ€sst nicht auf Wikinger, sondern auf eine Flotte des dĂ€nischen Königs schlieĂen. Es wĂŒrde sich um eine MannschaftsstĂ€rke zwischen 6.300 und 12.600 gehandelt haben. Zettel hĂ€lt die Zahl der Schiffe fĂŒr zu hoch,cite-ref-ze230-135-1[135] weil er von Wikingern ausgeht. Eine weitere Zahlenangabe findet sich in den Gesta Conwoionis Abbatis aus dem Kloster Redon an der Vilaine. Danach seien die normannischen Zerstörer von Nantes mit 130 Schiffen in die Vilaine eingelaufen. Das wĂŒrde zu einer MannschaftsstĂ€rke von 2.600 bis 6.500 Mann fĂŒhren.cite-ref-zitat-ze230-137-1[137] Vom Normannenkönig Horich wird gesagt, er habe 600 Schiffe auf der Elbe gegen König Ludwig einlaufen lassen, was zu einer MannschaftsstĂ€rke zwischen 15.000 und 30.000 Mann fĂŒhren wĂŒrde. Sie seien von einem Sachsenheer besiegt worden.cite-ref-j845-138-1[138] Diese Zahl wird allgemein als unglaubwĂŒrdig angesehen und die Zahl von 60 Schiffen fĂŒr wahrscheinlicher gehalten.cite-ref-140[140] Diese Zahlen geben aber allenfalls die GröĂenordnungen wieder. Sie gehen von den kleinsten Langschiffen aus und unterstellen, dass alle Wikingerflotten nur mit diesem Schiffstyp operiert hĂ€tten.
Waffen
â
Hauptartikel
:
âBewaffnungâ im Artikel Wikingerzeit
Man kann davon ausgehen, dass die SchiffsausrĂŒstung eines Wikingerschiffes der im Zusammenhang mit den Kriegsschiffen des Königs bekannten SchiffsausrĂŒstung entsprach. Das Gleiche kann man von der Bewaffnung sagen. In spĂ€terer Zeit, als die Wikinger im Ansehen sanken, dĂŒrfte die Bewaffnung wesentlich schmuckloser geworden sein, wenn auch dank der BeutezĂŒge nicht schlechter. Die Waffen waren in der frĂŒhen Wikingerzeit Zeichen des freien Mannes.
In den frĂ€nkischen und angelsĂ€chsischen Quellen werden die Waffen nicht oder nur sehr beilĂ€ufig bei Kampfhandlungen erwĂ€hnt. Bei den Wikingern in Franken und in England waren die Hauptwaffen sicher Axt, Speer, Pfeil und Bogen. In der angelsĂ€chsischen Vita Oswaldi aus dem 10. Jahrhundert wird etwas nĂ€her auf die Bewaffnung eingegangen.cite-ref-143[143] Dort ist von phaterae toxicatae (mit Gift bestrichene Köcher) und mucrones (scharfe Spitzen) die Rede. Nirgends wird erwĂ€hnt, dass ihre Bewaffnung sich von der ĂŒblichen der damaligen Zeit unterschieden habe.
Zur Kleidung siehe: Klappenrock
Kampfweise und Formationen
WĂ€hrend in den Sagas oft von heldenhafter Todesverachtung die Rede ist, ist davon in den kontinentalen und angelsĂ€chsischen Quellen nichts zu spĂŒren. Hier wird bei aller Tapferkeit immer wieder der unbedingte Ăberlebenswille betont. Danach wurde immer das Angriffsrisiko analysiert und das eigene Vorgehen darauf abgestimmt.
âVerum Nortmanni ad naves reversi, timentes multitudinem Exercitus, ne obsiderentur, in Sequanam redierunt, ibique toto demorantes aestate praedes agebant, nullo sibi resistente.â
âNachdem jedoch die Normannen ihre Schiffe wieder erreicht hatten, kehrten sie, aus Furcht vor der StĂ€rke des königlichen Heeres, um nicht eingeschlossen zu werden, in die Seine zurĂŒck. Hier blieben sie den ganzen Sommer und machten Beute, ohne Widerstand zu finden.â
â
Annales Vedastini zum Jahr 897.
AuĂerdem achteten sie darauf, sich nicht zu weit von ihren Schiffen zu entfernen, die ihre RĂŒckzugsmöglichkeit bildeten.
âNortmanni audita morte regis nimio exultant tripudio et iam non de conflictu sed de preda cogitant. Igitur cum omnibus viribus a munitione exiliunt et Trevirorum nobilissimam civitatem Galliarum Nonas Apr. die sacratissime cenae Domini occupant. In qua usque sancto die paschae fessa ab itinere corpora recreantes omne territorium urbis circumquaque usque ad solum demoliti sunt; deinde civitatem flammis exurentes Mediomatrico dirigund aciem. Quod cum comperisset eiusdem urbis antistes, adiuncto sibi Bertulfo episcopo et Adalardo comite ultro illis obviam ad Pugnam procedit. Inito certamine Nortmanni victores extiterunt. Isdem Wala episcopus in prelio cecit, ceteri fugerunt. Pagani iter, quod cepernat, deserentes cum ingenti preda summe celeritate ad classem revertuntur.â
âAls die Normannen den Tod des Königs (Ludwig) vernahmen, ĂŒberlassen sie sich ungemessenem Jubel und denken jetzt nicht mehr an Kampf, sondern nur an Beute. Sie brechen also mit all ihren StreitkrĂ€ften aus ihrem befestigten Lager hervor und erobern Trier, die berĂŒhmteste Stadt Galliens am 5. April, dem Tage des heiligsten Abendmahles des Herrn. Hier ruhten sie bis zum heiligen Ostertage die vom Marsche ermĂŒdeten Glieder aus und verwĂŒsteten das ganze Gebiet der Stadt ringsumher von Grund aus; dann lassen sie die Stadt in Flammen aufgehen und fĂŒhren ihre Scharen nach Metz. Als dies der Bischof dieser Stadt erfuhr, vereinigte er sich mit dem Bischof Bertulf und dem Grafen Adalhard und rĂŒckt jenen aus eigenem Entschlusse zur Schlacht entgegen. Es kam zum Kampf, und die Normannen blieben Sieger. Jener Bischof Wala fiel in der Schlacht, die ĂŒbrigen flohen. Die Heiden geben den Zug, den sie begonnen hatten, auf und kehren mit unermesslicher Beute in gröĂter Schnelligkeit zu ihrer Flotte zurĂŒck.â
â
Annales Vedastini zum Jahr 882.
Wie wichtig ihnen diese RĂŒckzugsmöglichkeit war, geht aus ihrem Verhalten hervor, als sie selbst in Angers belagert wurden. Als König Karl nach vergeblicher Belagerung begann, die Maine umzuleiten, auf der sie ihre Schiffe an der Stadtmauer vertĂ€ut hatten, gaben sie ihren Widerstand sofort auf und versprachen Karl eine hohe Lösegeldsumme, wenn er ihnen freien Abzug gewĂ€hre.cite-ref-144[144]
Bei der oben erwĂ€hnten Belagerung GrobiĆas ist eines der Hauptmotive, ĂŒber Losorakel nach göttlicher Hilfe zu fragen, der Umstand, dass sie keinen raschen Erfolg hatten und ihre Schiffe aber fĂŒnf TagsmĂ€rsche entfernt waren, was sie geradezu an den Rand der Panik brachte.
Die groĂen Erpressungen zu Tributzahlungen, die im Frankenreich gang und gĂ€be waren, zeugen davon, dass Beute und nicht Kampfeslust im Vordergrund stand. Man kĂ€mpfte, wenn es sein musste, aber vermied den Kampf, wenn es ging und zahlte auch hin und wieder selbst Lösegeld, um lebend davonzukommen.cite-ref-145[145]
Ein wesentliches Element ihres Erfolges war die Schnelligkeit und das damit verbundene Ăberraschungsmoment. Dies wurde nicht nur durch die schnellen Schiffe erreicht, sondern nach einigen Quellen dadurch, dass sie beritten waren.cite-ref-146[146]
Zu Wasser
Besonders in angelsĂ€chsischen Quellen wird die Leistung auf dem Gebiet der Schifffahrt besonders betont. Hier wird die nautische Leistung stĂ€rker hervorgehoben, als in den frĂ€nkischen Quellen. Dort sind die Wikinger erbarmungslose und beutegierige und anerkanntermaĂen tapfere Krieger, denen das Schiff als Waffe diente. Der âkĂŒhne Seefahrerâ tritt demgegenĂŒber fast in den Hintergrund.cite-ref-147[147] Gleichwohl hatte das Schiff im Bewusstsein der Skandinavier eine darĂŒber hinausgehende Bedeutung. Allerdings war die skandinavische Gesellschaft nicht so homogen, dass dies fĂŒr alle Schichten galt, denn das Schiff als Statussymbol tritt uns vor allem bei den königlichen Kriegern entgegen. Wie dies bei den Initiatoren und Teilnehmern privater RaubzĂŒge aussah, ist damit noch nicht entschieden.
Ein Wikingerschiff konnte bei klarem Wetter auf eine Weite von ungefĂ€hr 18 Seemeilen (32 km) ausgemacht werden. Bei gutem Wind konnte diese Strecke in etwa einer Stunde zurĂŒckgelegt werden. Diese Zeit stand also zum Aufbau einer Verteidigung zur VerfĂŒgung.cite-ref-148[148] Es wird von SeekĂ€mpfen zwischen Wikingerflotten untereinander berichtet. Wie diese ausgetragen wurden, ist nicht bekannt. Man weiĂ nur etwas ĂŒber die Kampfesweise der regulĂ€ren Flotten unter königlichem Oberbefehl (siehe Wikingerzeit).
Ein wesentliches Element des Erfolges war die Ăberraschung aufgrund schneller Schiffsbewegungen.
âEa tempestate Nordmannorum in emporio quod Quantovicus dicitur repentino sub lucem adventu depraedationibus, captivitate et nece sexus utriusque hominum adeo debachati sund, ut nihil in eo praeter aedificia pretio redempta relinquerent.â
âUm diese Zeit erschien plötzlich mit Tagesanbruch eine Flotte der Normannen vor dem Handelsplatz Quentovich, und diese wĂŒteten so furchtbar, indem sie alles verwĂŒsteten, die Einwohner fortschleppten und ohne Unterschied des Geschlechtes töteten, dass sie nichts, als die GebĂ€ude zurĂŒcklieĂen, deren Schonung teuer erkauft wurde.â
â
Annales Bertiniani zum Jahr 842.
Bei ihren RaubzĂŒgen auf dem Kontinent und in England waren die WasserstraĂen entscheidende Einfallstore. Als Muster und Beispiel mag genĂŒgen:
â⊠et ultra vicum Dorstatum contra flumen Reni per miliaria novem remigaverunt usque ad vicum Meginhardi, et ibidem facta preda reversi sunt.â
â⊠und ĂŒber Durstede hinaus fuhren sie rheinaufwĂ€rts neun Meilen bis Meinerswijk und kehrten um, nachdem sie daselbst Beute gemacht hatten.â
â
Annales Xantenses
zum Jahr 847.
Zu Lande
Es kam vor, dass Wikinger ihre Schiffe verlieĂen und gröĂere Unternehmungen zu Lande machten.
âNordomanni Ligerim ingressi, relictis navibus, pedestri itinere urbem Pictavorum adire moliuntur.â
âDie Normannen, die in die Loire eingefahren waren, unternahmen zu Lande einen Zug gegen Poitiers, wobei sie die Schiffe verlieĂen.â
â
Annales Bertiniani zum Jahr 855.
In England sind ausgedehnte LandmĂ€rsche der Wikinger ĂŒberliefert.cite-ref-149[149]
Wie die Wikinger sich zum Landkampf aufstellten, ist nicht bekannt. In der Regel handelte es sich um ĂŒberraschende ĂberfĂ€lle, bei denen eine âSchlachtordnungâ nicht erforderlich war. Kampfformationen sind nur aus Kriegen unter königlicher FĂŒhrung bekannt. Bei RaubzĂŒgen aus festen Winterlagern ist es zu ausgedehnteren Kampfhandlungen gekommen. Verschiedentlich wird von Schlachten zwischen Wikingern und Verteidigungstruppen mit unterschiedlichem Ausgang berichtet, ohne dass Einzelheiten geschildert werden. Da es sich nicht um Berufskrieger handelte, ist mit besonderen Taktiken nicht zu rechnen.
Als charakteristisch wird die Brenna beim Ăberfall angesehen, das Niederbrennen des Hauses, in welchem sich die Bewohner aufhalten, die dadurch alle umkommen. Am deutlichsten kommt dies im Bericht ĂŒber den Wikingerzug Egill Skallagrimssons nach Kurland zum Ausdruck: Egill und seine Leute werden gefangen, können sich nachts befreien, rauben die Schatzkammer des Hausherrn leer und begeben sich zu ihren Schiffen. Dann heiĂt es:
âEn er ĂŸeir kĂłmu Ă skĂłginn, ĂŸĂĄ nam Egill stað ok mĂŠlti: âĂessi ferð er allill ok eigi hermannlig. VĂ©r höfum stolit fĂ© bĂłnda, svĂĄ at hann veit eigi til. Skal oss aldregi ĂŸĂĄ skömm henda. Förum nĂș aftr til bĂŠjarins ok lĂĄtum ĂŸĂĄ vita, hvat tĂtt er.ââ
âDa stand Egill still und sprach: âDiese Fahrt ist sehr ĂŒbel und gar nicht wikinggemĂ€Ă. Wir haben dem Bauern sein Gut gestohlen, ohne dass er es weiĂ. Das soll uns niemals zur Schmach geschehen. Gehen wir zum Gehöft zurĂŒck, um dort bekannt zu machen, was geschehen ist.ââ
â
Egils saga Skalla-GrĂmssonar. Kap. 46.
Die GefĂ€hrten weigern sich. Da geht er allein zurĂŒck, betritt die KĂŒche, holt dort einen brennenden Balken, geht in die Sitzhalle und stöĂt den Balken in das Dach, so dass es Feuer fĂ€ngt. Alle Bewohner verbrennen entweder drinnen oder werden von ihm erschlagen, wenn sie herauskommen. Dann erst geht er zufrieden auf sein Schiff. Ob dieses âwikinggemĂ€Ăeâ Verhalten tatsĂ€chlich zum Ehrenkodex gehörte, lĂ€sst sich nicht sicher ausmachen. Das Verhalten der GefĂ€hrten spricht eher dagegen. Auf der anderen Seite wird in den Sagas nirgends von einem verheimlichten Ăberfall in Feindesland berichtet. In diesem Umfeld war die heimliche SchadenszufĂŒgung âNeidingswerkâ. Der eklatante Unterschied zu dem Mordbrennen im Frankenreich liegt auf der Hand. Die Brenna wurde aber nicht nur von Wikingern angewendet, sondern kommt auch bei anderen Auseinandersetzungen (NjĂĄls saga) vor und wurde auch vom König selbst vorgenommen, so von Harald HĂ„rfagre.cite-ref-150[150] Die Erichssöhne, die Könige Harald Graumantel und Erling, verbrannten den Ladejarl Sigurd bei Sonnenaufgang in seinem Haus.cite-ref-151[151]
Bei den EinfĂ€llen im Frankenreich ist von mehreren Truppen die Rede. Sie waren hĂ€ufig beritten. Ăber die Schlacht von Saucourt am 3. August 881 wird berichtet:
âNepos vero illius cum Nordmannis dimicans nobiliter triumphavit; nam novem milia equitum ex eis occidisse perhibetur.â
âSein Neffe kĂ€mpfte gegen die Normannen und triumphierte rĂŒhmlich; denn er soll von ihnen 9.000 Reiter getötet haben.â
â
Annales Fuldenses zum Jahr 881.
Wenn auch die Zahl unglaubhaft hoch ist, so ist die Angabe, es habe sich um Reiterkrieger gehandelt, glaubhaft. Ăberhaupt werden in den Quellen hĂ€ufig unglaubhaft hohe Zahlen der Wikinger genannt: 882 siegte König Karlmann bei Avaux ĂŒber die Normannen. Dort sollen ungefĂ€hr 1.000 Normannen gefallen sein. Die Zahl von 6.800 Toten bei der Schlacht von Chartres 911, wo Karl der EinfĂ€ltige Sieger blieb, wird fĂŒr ĂŒbertrieben gehalten.cite-ref-ze236-152-0[152] Dass das Heer Rollos vorher 30.000 Mann umfasst haben soll, wird ebenfalls fĂŒr eine Ăbertreibung gehalten. Abbo von Saint Germain behauptete, Sigfried und seine Normannen seien mit 700 Schiffen vor Paris erschienen und Regino von PrĂŒm nennt die Zahl von âmehr als 30.000 Kriegernâ vor Paris.cite-ref-153[153] Der Verlust von fast 15.000 Kriegern bei einer lokalen Schlacht in der Bretagne 890, nachdem angeblich bereits in einem vorangegangenen Gefecht mehrere Tausend gefallen sein sollen,cite-ref-154[154] ist offensichtlich ĂŒbertrieben.cite-ref-ze236-152-1[152] Das Gleiche gilt fĂŒr den Bericht von Widukind von Corvey, Odo habe in Westfranken an einem Tage mehr als 100.000 Normannen getötet, oder von Bovo von Korvei, 844 seien bei einer Schlacht in Sachsen 10.371 DĂ€nen gefallen.cite-ref-ze236-152-2[152]
Man muss davon ausgehen, dass der Kampf meist unkoordiniert gefĂŒhrt wurde. Besondere Formationen und Kampftaktiken werden nirgends geschildert. Wenn es zum Kampf kam, schleuderte man ĂŒblicherweise zunĂ€chst Steine, Speere, sonstige GegenstĂ€nde und schoss Pfeile und verfiel danach in einen planlosen, mit roher Gewalt gefĂŒhrten Kampf Mann gegen Mann, bis die andere Seite niedergerungen war. Ein Ziel war es, den AnfĂŒhrer des Gegners zu töten und seine Standarte zu erobern, um den Feind der militĂ€rischen FĂŒhrung zu berauben und eine Auflösung des gegnerischen Trupps zu forcieren. Standarten werden in den angelsĂ€chsischen Quellen erwĂ€hnt, insbesondere das âRabenbannerâ.cite-ref-155[155]
Ging der Kampf verloren, so wird oft berichtet, dass sie sich der geschlossenen Verfolgung dadurch entzogen, dass sie sich in nahegelegene WĂ€lder einzeln zerstreuten und sich so zu den Schiffen durchschlugen.cite-ref-156[156]
Die Wikinger verstanden sich aber nicht nur auf den Kampf auf einem Schlachtfeld. Vielmehr stellten sie mehrfach unter Beweis, dass sie Belagerungsmaschinen entwickeln konnten bzw. Belagerungstechniken kannten. So bauten sie vor Paris 885 BelagerungsgerĂ€tecite-ref-157[157] oder legten Feuer mit Stroh und Reisig, um die Belagerung voranzutreiben.cite-ref-av886-158-0[158] Abbo von St. Germain berichtet von Katapulten und plumbea (Bleikugeln).cite-ref-159[159] Bei der Belagerung von Paris heiĂt es, die Normannen hĂ€tten cum diverso apparatu armorum et machinarum arietumque (mit verschiedenen AngriffsgerĂ€ten, Maschinen und Mauerbrechern) die Stadt angegriffen.cite-ref-av886-158-1[158] Sie hoben kleine getarnte Gruben aus, die die Pferde zum Sturz brachten.
âPorro Nortmanni audientes adpropinquare exercitum foderant foveas latitudinis unius pedis et profunditatis trium in circuitu castrorum easque quisquiliis et stipula operuerant, semitas tantum discusui necessarias intactus reservantes.; pauci igitur latrunculi, qui tatitabant in convacis viarum itineribus, videntes Heinricum adpropinquare cito surgunt a locis, in quibus delituerant, provocantque virum telis et voce lasessunt. Ille animi magnitudine indignitatem rei non ferens super eos irruit, et mox in caecis foveis equus, cui insidebat, inpegit et cum ipso in terram corruit; hostes summa cum festinatione advolantes, antequam a loco elevaretur, eum terrae confodiunt et aspiciente universo exercitu absque mora trucidant, arma auferunt et spolia ex parte diripiunt.â
âDie Normannen andererseits hatten, wie sie von dem Anzuge des Heeres hörten, rings um ihr Lager Gruben ausgehoben, einen FuĂ breit und drei FuĂ tief, und diese mit GerĂŒmpel und Stroh bedeckt, indem sie nur die zum Hin- und Hergehen notwendigen Pfade ausgespart lieĂen; einige von diesen Strauchdieben nun, die sich in Hohlwegen verborgen hatten, springen, wie sie (Herzog) Heinrich herankommen sehen, schnell aus ihren Schlupfwinkeln hervor, fordern den Mann durch Geschosse zum Kampfe heraus und reizen ihn mit Worten. Jener, der in seinem hohen Mute diese unwĂŒrdige Behandlung nicht ertragen wollte, fiel ĂŒber sie her, und alsbald geriet das Ross, auf welchem er saĂ, in die verdeckten Gruben und stĂŒrzte mit ihm nieder; die Feinde fliegen in gröĂter Eile herbei, durchstoĂen ihn an der Erde, ehe er sich von der Stelle erheben konnte, bringen ihn vor den Augen des ganzen Heeres ohne Verzug ums Leben, nehmen seine Waffen fort und bemĂ€chtigen sich eines Teiles seiner RĂŒstung.â
â
Reginonis chronica zum Jahr 887.
Es fĂ€llt auf, dass nach dem Ende eines Kampfes regelmĂ€Ăig von einer gewaltigen Beute der Sieger die Rede ist. Das bedeutet, dass die kĂ€mpfende Truppe fast ihr gesamtes Hab und Gut mit sich fĂŒhrte. FĂŒr die frĂ€nkischen Truppen wird dies durch die folgende Schilderung einer vom Kaiser verlorenen Schlacht bei Andernach bestĂ€tigt:
âMulti autem qui effugere poterant impediti sunt, quoniam omnes sagmae imperatoris et aliorum qui cum eo erant, sed et mercatores ac scuta vendentes imperatorem et hostem sequebantur et in angusto itinere fugientibus viam clauserunt.â
âViele aber, die hĂ€tten entfliehen können, wurden daran gehindert, indem alle Lastpferde des Kaisers und der anderen, die mit ihm waren, aber auch die KrĂ€mer und WaffenverkĂ€ufer dem Kaiser und seinem Heer folgten und auf der engen StraĂe den FlĂŒchtigen den Weg versperrten.â
â
Annales Bertiniani zum Jahr 876.
Religion
Ăber die religiösen Vorstellungen der Wikinger ist so gut wie nichts bekannt. In der nicht historischen Ărvar-Odds-Saga wird erzĂ€hlt, dass Ărvar-Odd auf seiner Fahrt nach Frankreich an ein groĂes steinernes Haus in einer sonderbaren Bauart gekommen sei. Sie hĂ€tten dort Leute hineingehen und nach einer Weile herauskommen sehen. Dann hĂ€tten sie dort jemanden gefragt und erfahren, dass das Land Aquitanien heiĂe und das GebĂ€ude eine Kirche sei. Auf die Gegenfrage, ob sie Heiden seien, sei folgender Dialog gefolgt:
âVĂ©r vitum alls ekki til annarrar trĂșar en vĂ©r trĂșum ĂĄ mĂĄtt vĂĄrn ok megin, en ekki trĂșum vĂ©r ĂĄ Ăðin, eða hverja trĂș hafi ĂŸĂ©r?â Landsmaðr sagði: âVĂ©r trĂșum ĂĄ ĂŸann, er skapat hefir himin ok jörð, sjĂłinn, sĂłl ok tungl.â Oddr mĂŠlti: âSĂĄ mun mikill, er ĂŸetta hefir allt smĂðat, ĂŸat hyggjumst ek skilja.â
ââWir wissen gar nichts von einem anderen Glauben, wir glauben aber an unsere Macht und StĂ€rke, und nicht glauben wir an Odin; aber was fĂŒr einen Glauben habt ihr?â Der Einheimische sagte: âWir glauben an den, der Himmel und Erde geschaffen hat, die See, die Sonne und den Mond.â Odd sprach: âDer muss groĂ sein, der alles das gezimmert hat, das glaube ich einzusehen.ââ
â
Ărvar-Odds saga Kap. 17.
Hier hat der Dichter den Dialog sicher aus seiner Kenntnis wikingischer Denkungsart gestaltet. Auf der anderen Seite wird immer wieder berichtet, man habe vor Unternehmungen mit unbekanntem Risiko das Losorakel befragt, im Falle des Ăberfalls auf GrobiĆas mit dem erklĂ€rten Ziel zu erfahren, welcher Gott sie bei ihrer Unternehmung unterstĂŒtzen werde. Ein weiteres Beispiel ist der Angriff dĂ€nischer Wikinger auf Birka, den der aus Schweden vertriebene König Anund leitete. Dieser hatte mit den Bewohnern einen Lösegeld-Vertrag geschlossen, den seine dĂ€nische Truppe aber nicht billigte, weil der Betrag zu klein sei. Rimbert fĂ€hrt dann fort:
âInterim rex praefatus cum Danis agere coepit, ut sorte perquirerent, utrum voluntate deorum locus ipse ab eis devastandus esset. âMultiâ, inquit, âibi sunt dii potentes et magni, ibi etiam ecclesia olim constructa est, et cultura Christi a multis ibi christianis excolitur, qui fortissimus est deorum et potest sperantibus in se quoquo modo vult auxiliari. Necessario ergo quaerendum est, utrum divina ad hoc voluntate inciteminiâ. Quod Uli, quia sie apud eos moris erat, nequaquam abnuere potuerunt. Quaesitum est igitur sortibus et inventum, quod cum sua hoc prosperitate nullatenus perficere possent, neque locum ipsum eorum depraedationi a Deo concessum. Iterum quaesitum est, in quam partem ituri essent, ubi sibi peeuniam adquirerent, ne forte vana spe frustrati ad sua vacui remearent. Ceciditque sors, quod ad urbem quandam longius inde positam in finibus Slavorum ire deberent. Hoc ergo Uli, videlicet Dani, quasi divinitus sibi imperatum credentes, a loco memorato recesserunt et ad urbem ipsam directo itinere propera-runt. Irruentesque super quietos et secure habitantes improvise, civi-tatem illam armis coeperunt, et captis in ea spoliis ac thesauris multis, ad sua reversi sunt. Rex vero ille, qui ad eos depraedandos venerat, pace cum eis foederata, argentum, quod ab eis nuper aeeeperat, red-didit et apud eos aliquandiu resedit, volens genti suae reconciliari.â
âDer König hatte inzwischen den DĂ€nen eine Befragung des Losorakels vorgeschlagen, ob sie den Wik mit Willen der Götter verwĂŒsten sollten. âDort wohnen viele mĂ€chtige und groĂe Götterâ, sagte er; âauch ist frĂŒher dort eine Kirche erbaut worden; da wird der Kult Christi, des stĂ€rksten der Götter, von vielen Christen gepflegt; wenn er will, kann er denen, die auf ihn hoffen, nach seinem Belieben Hilfe bringen. Wir mĂŒssen deshalb fragen, ob euch der Wille von Göttern zum Angriff treibtâ. Dagegen lieĂ sich nach ihrer Sitte nichts einwenden. Man befragte also die Lose und fand, ihr Heil werde nicht ausreichen; Gott erlaube ihnen eine PlĂŒnderung des Ortes nicht. Nochmals wurde gelost, wohin sie sich wenden sollten, und wo SchĂ€tze zu gewinnen seien, damit sie nicht, von falscher Hoffnung getĂ€uscht, mit leeren HĂ€nden heimkehren mĂŒssten. Da fiel das Los, sie hĂ€tten zu einer weit entfernten Burg im Slawenlande zu fahren. Die DĂ€nen sahen darin ein göttliches Gebot, verlieĂen Birka und beeilten sich, geradenwegs diese Burg zu erreichen. Ganz unerwartet fielen sie dort ĂŒber die friedlichen, sorglosen Einwohner her, nahmen die Feste mit Waffengewalt und kehrten reich an Raubgut und vielen SchĂ€tzen in die Heimat zurĂŒck. Doch der König, der Birka hatte plĂŒndern wollen, verglich sich mit ihm, gab das jĂŒngst erhaltene Geld zurĂŒck und wohnte eine Zeitlang dort, denn er wollte sich mit seinem Volke wieder aussöhnen.â
â
Vita Anskarii Kap. 19.
Diese gegensĂ€tzlichen Darstellungen sprechen dafĂŒr, dass die Auffassungen nicht einheitlich waren. Aber die Sitte, das Losorakel zu befragen und sich seinem Urteil zu unterwerfen, scheint doch darauf hinzudeuten, dass man mehrheitlich an die Existenz der Götter glaubte. Möglicherweise war die unterschiedliche Haltung auch schichtenspezifisch, also die einfachen KĂ€mpfer dem Aberglauben eher zugeneigt als die FĂŒhrung. DafĂŒr spricht die Untersuchung Ströms, wonach dieses âsich berufen auf die eigene Kraftâ ein Zeichen fĂŒr einen sozialen Aufbruch aus der religiös motivierten Bindung an die eigene Scholle und die eigene Sippe war.cite-ref-162[162] Aber andere rituelle Handlungen mit Bezug auf die Götter sind nicht ĂŒberliefert, so dass man von einer ReligionsausĂŒbung nicht wird sprechen können. Aus keiner frĂ€nkischen oder angelsĂ€chsischen Quelle ist auch nur indirekt zu entnehmen, dass im Bewusstsein der Wikinger mit einem ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld der Einzug nach Walhall verbunden war.
Die Wikinger wurden biritual in Brand- und ErdgrÀbern bestattet (GrÀberfeld von SnubbekorsgÄrd). Ob dies parallel oder nacheinander erfolgte ist ungeklÀrt.
Die Folgen der Christianisierung
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Hauptartikel
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Christianisierung Skandinaviens
In den jeweiligen LĂ€ndern hatte die Christianisierung eine StĂ€rkung der Zentralgewalt, die sich im König manifestierte, zur Folge. WĂ€hrend der Einzelne sich bislang nur seiner Sippe verpflichtet gefĂŒhlt hatte, trat allmĂ€hlich ein Wandel zur Verantwortung fĂŒr den gesamten Herrschaftsbereich des Königs ein, der sich in der Leidangsverfassung niederschlug. Er erlaubte die Organisation einer ĂŒberregionalen Verteidigung. Zu Zeiten Harald HĂ„rfagres war eine wirksame KĂŒstenverteidigung noch nicht möglich, weshalb er mit seiner Flotte zu dem Ausgangspunkt fĂŒr die Raubfahrten, den Orkneys fahren musste, um die SeerĂ€uber an der Quelle zu bekĂ€mpfen. Mit dem Leidang war auch eine gemeinschaftliche, organisierte Verteidigung an der KĂŒste möglich. Solche ĂŒberörtlichen VerteidigungsmaĂnahmen wurden im gesamten Einwirkungsbereich der Wikinger, also auch in England und im Frankenreich, auf unterschiedlicher Grundlage entwickelt. Dies verminderte entscheidend die Erfolgsaussichten der rĂ€uberischen ĂberfĂ€lle, die dann auch im Laufe der Zeit kontinuierlich abnahmen.
Bemerkenswerte Wikinger
⹠Erik der Rote, Besiedler von Grönland
âą Freydis EriksdĂłttir, eine Wikingerfrau, die nach Vinland segelte.
âą Ivar Ragnarsson eroberte an der Spitze einer Wikingerarmee York
âą Leif Eriksson, gilt als Entdecker Amerikas
âą Ragnar Lodbrok, wird oft mit dem WikingerfĂŒhrer Ragnar gleichgesetzt, der 845 Paris eroberte
âą Sigfried, Belagerer von Paris (885â887)
Wikinger-Rezeption
In der Literatur und Popkultur des 20. und 21. Jahrhunderts wurde der Wikinger-Mythos immer wieder erfolgreich aufgegriffen und dadurch am Leben erhalten und neu popularisiert.
Filme
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Hauptartikel
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Liste von Wikinger-Filmen und -Serien
âą Die Wikinger â US-amerikanischer Abenteuerfilm aus dem Jahr 1958
âą Raubzug der Wikinger â britischer Abenteuerfilm von 1963
âą Erik der Wikinger â britische Komödie von 1989
âą Wickie und die starken MĂ€nner â deutscher Kinderfilm von 2009
âą DrachenzĂ€hmen leicht gemacht â US-Animationsfilm von 2010
âą Wikinger-Angriff auf England, USA 2011, National Geographic
âą Walhalla Rising â dĂ€nisch-britischer Wikingerfilm 2009
Fernsehsendungen
âą Wickie und die starken MĂ€nner â deutsch-japanische Anime-Serie, 1974â1975
âą Vikings â kanadisch-irische Fernsehserie, 2013â2020 und dessen Spin-Off Vikings: Valhalla, 2022â2024
âą Norsemen â norwegische Comedy-Serie, 2016â2020
Comics
âą HĂ€gar der Schreckliche â US-amerikanischer Zeitungscomic
âą Thorgal â belgische Comicreihe
âą Vinland Saga â japanische Manga-Serie
Musik
âą Vikingrock â skandinavische Rockmusik, die sich mit Wikingern befasst, bekannt geworden vor allem durch die schwedische Band Ultima Thule.
âą Viking Metal â Subgenre des Folk-Metal, das sich mit Wikingern und nordischer Mythologie befasst. Bekannteste und stilprĂ€gendste Band ist Amon Amarth.
Bezeichnung der in den FuĂnoten erwĂ€hnten Runensteine
âą N = Norske Runeinnskrifter
âą DR = Danske Runeinnskrifter
âą ĂG = Runeinnskrifter fra Ăstergötland
⹠Sà = Södermannlands Runeinnskrifter
⹠SM = SmÄlands Runeinnskrifter
⹠VG = Runeinnskrifter fra VÀstergötland
âą U = Upplands Runeinnskrifter
Kulturweg âDie Routen der Wikingerâ
Siehe auch
Quellen
âą Ăthelweard: Chronicon. The Chronicle of Ăthelweard. London u. a. 1962
âą The Anglo-Saxon Chronicle in englischer Ăbersetzung.
âą Asser, The Life of King Alfred in englischer Ăbersetzung.
âą Den ĂŠldre Gulathings-Lov. In: Norges gamle love indtil 1387. Band 1. Christiania 1846, S. 3â118. Ăbersetzung: Das Recht des Gulathings. Ăbs. von Rudolf MeiĂner. Germanenrechte Band 6. Weimar 1935.
âą Hirdskraa. In: Norges gamle Love indtil 1387. Band 2. Christiania 1848, S. 387â450. Ăbersetzung: Das norwegische Gefolgschaftsrecht. Ăbs. von Rudolf MeiĂner. Germanenrechte Band 5. Weimar 1938.
âą Reinhold Rau (Ăbers.): Annales Regni Francorum (Die Reichsannalen) In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Erster Teil. Darmstadt 1974.
âą Reinhold Rau (Ăbs.): Annales Bertiniani. In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Zweiter Teil. Darmstadt. 1972.
âą Reinhold Rau (Ăbs.): Annales Vedastini â JahrbĂŒcher von St. Vaast. In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Zweiter Teil. Darmstadt 1972.
âą Reinhold Rau: Annales Xantenses. In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Zweiter Teil. Darmstadt 1972.
âą Reinhold Rau (Ăbs.): Reginonis chronica (Chronik des Regino von PrĂŒm). In: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil. Darmstadt 1975.
âą Reinhold Rau (Ăbs.): Annales Fuldenses. In: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil. Darmstadt 1975.
âą Karl von Richthofen: Friesische Rechtsquellen. Berlin 1840. Neudr. Aalen 1960.
âą Snorri Sturluson: Heimskringla. (Hrsg. von BergljĂłt S. KristjĂĄnsdĂłttir u. a.). ReykjavĂk 1991, ISBN 9979-3-0309-3 (fĂŒr die islĂ€ndischen Zitate). Deutsch: Snorris Königsbuch. DĂŒsseldorf/Köln 1965. Band 1â3.
⹠Gregor von Tours: FrÀnkische Geschichte. Darmstadt 1974.
âą Werner Trillmich (Ăbs.): Rimberti vita Anskari â Rimbert, Ansgars Leben. In: Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. Darmstadt 1978.
Literatur
Monographien
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âą Johannes Fried: Die Formierung Europas 840â1046. Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-486-49703-8 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 6).
âą James Graham-Campbell: Das Leben der Wikinger. Krieger, HĂ€ndler und Entdecker. Nikol VG, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-45-7.
âą James Graham-Campbell (Hrsg.): Die Wikinger (Weltatlas der alten Kulturen). Christian-Verlag, MĂŒnchen 1994, ISBN 3-88472-242-5.
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âą Angus Konstam: Die Wikinger. Geschichte, Eroberungen, Kultur. Tosa Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85492-692-8 (frĂŒherer Titel Atlas der Wikinger).
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âą Konrad Maurer: Die Bekehrung des Norwegischen Stammes zum Christenthume in ihrem geschichtlichen Verlauf quellenmĂ€Ăig geschildert. MĂŒnchen 1855 (Reprint Zeller Verlag, OsnabrĂŒck 1965).
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⹠Arndt Ruprecht: Die ausgehende Wikingerzeit im Lichte der Runeninschriften. Göttingen 1958.
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âą Dominik WaĂenhoven: Skandinavier unterwegs in Europa (1000â1250). Untersuchungen zu MobilitĂ€t und Kulturtransfer auf prosopographischer Grundlage. Akademie Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-05-004285-5.
âą Robert Wernick u. a.: Die Wikinger. BechtermĂŒnz, Eltville 1992, ISBN 3-86047-033-7.
âą Anders Winroth: Die Wikinger. Das Zeitalter des Nordens. 4. Aufl. Klett-Cotta, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-608-96453-0.
âą Horst Zettel: Das Bild der Normannen und der NormanneneinfĂ€lle in westfrĂ€nkischen, ostfrĂ€nkischen und angelsĂ€chsischen Quellen des 8. bis 11. Jahrhunderts. Fink, MĂŒnchen 1977, ISBN 3-7705-1327-4 (zugl. Dissertation, UniversitĂ€t Erlangen 1972).
âą Hans JĂŒrgen Witthöft (Hrsg.): Die Wikinger â Das Zeitalter des Nordens. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-94927-8.
AufsÀtze
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âą K. Böldl: Wikinger â Definition des Wikingerbegriffs. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). Band 35, Berlin 2007, S. 697â708.
âą Bertil Daggfeldt: Vikingen â roddaren. FornvĂ€nnen 78 (1983), S. 92â94. Englisch: The Viking â The Oarsman
âą Johannes Fried: Um 810. Weshalb die Normannenherrscher fĂŒr die Franken unvorstellbar waren. In: Bernhard Jussen (Hrsg.): Die Macht des Königs. Herrschaft in Europa vom FrĂŒhmittelalter bis in die Neuzeit. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-53230-6.
âą Eldar Heide: Viking â ârower shiftingâ? In: Göran Hallberg, Christer Platzack, et al. (Hrsg.): Arkiv för nordisk filologi (ANF). Band 120 der Gesamtausgabe. Selbstverlag, Lund 2005, S. 41â54 (mehrsprachig, journals.lub.lu.se [PDF]).
âą Frands Herschend: Wikinger. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). Band 34, Berlin 2007, S. 55â59 (englisch).
âą Tette Hofstra: Changing views on Vikings. In: TijdSchrift voor Skandinavistiek Band 24, 2003, Nr. 2. S. 147â160 (englisch).
âą Benjamin Scheller: Wikinger und Normannen. In: Michael Borgolte (Hrsg.) Migrationen im Mittelalter. Ein Handbuch. Berlin 2014, ISBN 978-3-05-006474-1, S. 209â217.
âą W. Vogel: Die Normannen und das frĂ€nkische Reich. Bis zur GrĂŒndung der Normandie (799â911). In: Heidelberger Abhandlungen. Zur mittleren und neueren Geschichte. Heft 14/1906.
âą David Wilson: Wikinger. § 2 Britische Inseln. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). Band 34, Berlin 2007, S. 59â64 (englisch).
Dokumentation
⹠Die Mythen der Wikinger. Dokumentation in zehn Teilen, GesamtlÀnge 280 Minuten. Regie: Caroline Halazy, ARTE F, Frankreich, 2024.
Weblinks
Commons
: Wikinger
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Wikinger
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur zu den Wikingern im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Kulturformidlingen norrĂžne tekster og kvad (Quellen auf norrĂžn)
âą Die Wikinger Norwegens (behandelt Skandinavier des Mittelalters und nennt sie Wikinger)
âą Die Wikinger â Krieger mit Kultur: Das Leben der NordmĂ€nner Inhaltsverzeichnis. Der Spiegel Geschichte Ausgabe 6/2010
âą Roland Knauer: Die HĂ€uptlinge des hohen Nordens in Spektrum.de vom 27. August 2018
âą Sarah Gibbens: Forscher identifizieren Massengrab eines gewaltigen Wikingerheers, Forschungsstand, 25. Okt. 2019
âą SĂŒddeutsche.de: Die DNA der Wikinger vom 7. Oktober 2020
âą Welt.de: Woher die Wikinger wirklich kamen vom 22. November 2021
Anmerkungen
cite-note-11. â Stefan Brink: Who were the Vikings? In: Brink, Stefan; Price, Neil (Redaktion), The Viking World. Routledge, 2008, ISBN 978-0-415-69262-5, S. 4â10.
cite-note-22. â Vgl. den Bericht des arabischen Handelsreisenden Ibn Fadlan (um 920) sowie die ostslawische Nestorchronik. Dargestellt in: Serhii Plokhy: Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine. Aus dem Englischen von Anselm BĂŒhling u. a. Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, S. 62â66. ISBN 978-3-455-01526-3.
cite-note-ask140-33. â Askeberg, S. 140.
cite-note-ask136-44. â Askeberg, S. 136.
cite-note-egil1-55. â Askeberg, S. 140; Sveinbjörn Egilsson: Lexicon poeticum antiquae linguae septentrionalis â Ordbog over det norsk-islandske Skjaldesprog. 2. Aufl. mit Finnur JĂłnsson. Kopenhagen 1831. Walter Baetke: Wörterbuch zur Altnordischen Prosaliteratur. Berlin 1987. Egils saga, Kap. 1: ⊠er han var ĂĄ ungaaldri lĂĄ hann Ă vĂkingu ok herjaði (in seiner Jugend war er auf Wiking und heerte).
cite-note-66. â Toplak/Staecker 2019
cite-note-ask118-77. â Askeberg, S. 118.
cite-note-ask119-88. â Askeberg, S. 119.
cite-note-ask126-99. â Askeberg, S. 126.
cite-note-her57-1010. â Herschend S. 57; Johannesson S. 144.
cite-note-ask165-1111. â Askeberg, S. 165 f.
cite-note-boy28-1212. â Boyer, S. 28.
cite-note-www-1-1313. â EncyclopĂŠdia Britannica
cite-note-vries662-1414. â Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch S. 662.
cite-note-munch455-1515. â Munch S. 455.
cite-note-and691-1616. â Andersson S. 691.
cite-note-oxf-1-1717. â Oxford English Dictionary, 2. Aufl., s. v. viking.
cite-note-erkl-1-1818. â Wenn zwei MĂ€nner auf der Ruderbank mit unterschiedlicher Kraft rudern.
cite-note-ask180-1919. â Askeberg, S. 180.
cite-note-fritz19-2020. â Fritzner: OrdbĂłk over der gamle norske sprog. Kristiania 1886â1896, Nachdruck Oslo 1954. I. S. 19.
cite-note-grimm29-2121. â Grimm Band 29 S. 1640; Askeberg, S. 181.
cite-note-dag-1-2222. â Daggfeldt; Heide; Hofstra S. 153. TH. Andersson, Stichwort "Wikinger" in: RGA Band 35 S. 687â697, 694 f.
cite-note-heim-9-2323. â Heimskringla. Die Geschichte von Harald Graumantel. Kap. 9.
cite-note-he57-2424. â Herschend S. 57.
cite-note-z25-2525. â Zeile 25
cite-note-erkl-2-2626. â Ob der Beowulf das Wort benutzt hat, ist umstritten. In Vers 2921 steht in der Handschrift mere wio ingas, was frĂŒher als merovingerns gelesen wurde. Levin Ludwig SchĂŒcking hat in Englische Studien 1955, S. 95 ff. die auch inhaltlich zur Stelle besser passende Lesart merewicingas (Meerwikinger) vorgeschlagen.
cite-note-ask153-2727. â Vers 330/331 ĂŒbersetzt nach Askeberg, S. 153.
cite-note-kr-3-2828. â KrĂŒger S. 3 meint unter Hinweis auf Christiane Fell: Old English âwicingâ: A Question of Semantics. In: Proceedings of the British Academy 72 (1986) S. 295â316, 306, dass die Bezeichnung wicingas in der Anglo-Saxon Chronicle der Unterscheidung der piratae von einem exercitus gedient habe.
cite-note-www-2-2929. â In An Anglo-Saxon Dictionary von Bosworth und Toller (1898) werden eine Reihe anderer Belegstellen angefĂŒhrt und mit A pirate, sea-robber ĂŒbersetzt.
cite-note-ze55-3030. â Zettel, S. 55.
cite-note-j-r222-3131. â JĂžrgensen: RGA Band 16 S. 222.
cite-note-her56-3232. â Herschend S. 56.
cite-note-cat-3333. â Cath Catharda aus dem 12. Jahrhundert (Hrsg. und Ăbs. ins Englische von Whitley Stokes. 1909) 2606. Siehe auch Carl Marstrander: Bidrag til der norske sprogs historie i Irland. Kristiania 1915, S. 109.
cite-note-he58-3434. â Herschend S. 58.
cite-note-ask139-3535. â Askeberg, S. 139. Dabei ist zu beachten, dass der Wortbestandteil -vĂkingar auch bedeuten kann von -vĂk wie in NjarðvĂkingar = Einwohner von NjarðvĂk oder HĂșsvĂkingar = Einwohner von HĂșsavĂk oder ReykvĂkingar = Einwohner von ReykjavĂk.
cite-note-thu-1-3636. â Ăbersetzung nach der Thule-Ausgabe. Gautheim=Odinheim=Asgard. Dessen Wikinge: Die kriegerischen Götter ĂĂłr, ĂjĂĄlfi und Loki.
cite-note-egil40-3737. â Egils saga Kap. 40
cite-note-b-ldl704-3838. â Böldl, S. 704.
cite-note-heim181-3939. â Heimskringla. Ălafs saga helga. Kap. 181. Ăbersetzung von Felix Niedner.
cite-note-erkl-3-4040. â Der in Schweden durchaus nicht ungebrĂ€uchliche Eigenname VĂkingr. Auch der Stein im Dom von VĂ€xjö in SmĂ„lands Runeinskrifter (SM) 10: âToki, der Wikinger errichtete diesen Stein nach Gunnar, dem Sohn Grims. Gott helfe seiner Seele.â
cite-note-tir216-4141. â Tirsted-Stein DR 216: âAsrað und Hildung errichteten diesen Stein nach FrÊði, ihrem Verwandten. Er war damals ein beutegewohnter Kriegsmann [oder: ein Schrecken der MĂ€nner]. Er fand den Tod in Schweden ⊠und danach alle Wikinger.â U 617: kinluk hulmkis tutir sukuĂŸar auk ĂŸaina kaus lit keara bru ĂŸesi auk raisa stain ĂŸina eftir asur bunta sin | sun hakunar iarls sar uar uikika uaurĂŸr miĂŸ kaeti kuĂŸ ialbi ans nu aut uk salu. (Ginnlög, Holmgers Tochter, Schwester von Sygröd und Göt lieĂ diese BrĂŒcke bauen und diesen Stein aufrichten fĂŒr Assur, ihren Mann, dem Sohn von HĂ„kon Jarl. Er war WikingerhĂ€uptling und der Geten. Gott helfe nun seinem Geist und seiner Seele.) Askeberg (S. 122) hĂ€lt es fĂŒr wahrscheinlich, dass Assurs Vater HĂ„kon Jarl der in der norwegischen Geschichte bedeutsame HĂ„kon Ladejarl ist, der sich gegen die Nachkommen Harald HĂ„rfagres durchsetzte (siehe dazu Norwegische Geschichte). Er hatte viele Frauen und noch mehr Kinder, die nach der MachtĂŒbernahme von Olav Tryggvason durchaus auch nach Schweden ausgewichen sein können. Immerhin hielt sich Erik, der Sohn HĂ„kon Ladejarls, am schwedischen Königshof auf, von wo er an der Seeschlacht von Svold teilnahm. In diesem Falle kann man von einer vornehmen Heirat Assurs ausgehen.
cite-note-gard2-4242. â GĂ„rdstĂ„nga-Stein 2 in Schonen = DR 330: â⊠und Gunnarr ⊠diesen Stein fĂŒr ⊠[und] Björn, seine Genossen. Diese Drengir waren vielerorts furchtlos auf WĂkingerzĂŒgen âŠâ
cite-note-adam-6-4343. â VI, 6: Ipsi vero pyratae, quos illi Wichingos appellant, nostri Ascomannos.
cite-note-adam-2-4444. â II, 31: Ferunt eo tempore classem pyratarum, quos nostri Ascomannus vocant, Saxoniae appulsam vastasse ⊠(Damals soll vor Sachsen eine Flotte von Piraten erschienen sein, wir nennen sie Ascomannen) und II, 32: Altera pars Ascomannorum ⊠(Ein anderer Teil der Ascomannen).
cite-note-ze115-4545. â Zettel mit vielen Belegen S. 115.
cite-note-4646. â Serhii Plokhy: Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine. Aus dem Englischen von Anselm BĂŒhling u. a. Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, S. 61. ISBN 978-3-455-01526-3.
cite-note-svan20-4747. â Svanberg S. 20.
cite-note-ann-1-4848. â âDie Ungarn verwĂŒsten Sachsen und ThĂŒringenâ (Annales Augienses zum Jahre 908). âDie Ungarn zerstören das gesamte östliche Franken und auch Teile Galliensâ (Annales Prumienses zum Jahre 911).
cite-note-hag84-4949. â Hageneier, S. 84.
cite-note-heim95-5050. â Heimskringla. Ălafs saga helga. Kap. 95: Die Wikingerhöhle heiĂt da vĂkingabĆli.
cite-note-mag-7-5151. â Saga MagnĂșs konungs berfĆtts, Kap. 7: MagnĂșs konungr hafði ĂŸĂĄ rĂki einn saman; hann friðaði vel fyrir landi sĂnu ok eyddi öllum vĂkingum ok Ăștilegumönnum.
cite-note-eir6-5252. â EirĂksdrĂĄpa MarkĂșs Skeggjasons ĂŒber Erik Ejegod (1095â1103): Str. 6: vĂking hepti konungr fĂkjum (Den Wiking unterband der König drastisch) und Str. 22: hilmir lauk við hernað olman / hauðr Eydana skjaldborg rauðri (Der Herrscher riegelte gegen wilde PlĂŒnderung das Land der InseldĂ€nen mit roter Schildburg ab).
cite-note-hal-8-5353. â Hallar-Steinn Rekstefja Str. 8.
cite-note-5454. â KrĂŒger S. 9. mit weiteren Nachweisen.
cite-note-5555. â KrĂŒger S. 64 f.: Die ĂfaradrĂĄpa berichtet davon, dass Sigurðr jĂłrsalafari auf dem Weg ins Mittelmeer Wikinger besiegte und ihnen 8 Galeeren abnahm. Sie werden als âKnechte des Teufelsâ und âheidnisches Volkâ bezeichnet.
cite-note-5656. â LandnĂĄmabĂłk Kap. 53.
cite-note-5757. â LandnĂĄmabĂłk Kap. 43.
cite-note-5858. â Im Ălteren VĂ€stgötalag heiĂt es im OrbĂžtĂŠ mĂĄl: Y a hĂŠrskip ok gyĂŠrs bunkabitĂŠr. Y standĂŠr a halsi ok a hĂžfĂŸi ok hĂŠriĂŠr. Y ĂŸĂŠt ĂŠr niĂŸingsvĂŠrk (Geht man auf ein Kriegsschiff und betĂ€tigt sich als SeerĂ€uber, steht am Bug und Steven und heert, das ist Neidingswerk.)
cite-note-ask-135-5959. â ⊠drap illmenni grimðarfulla vĂkinga, en bĆndr ok kaupmenn lĂ©t hann Ă friði vera. Zitiert nach Askeberg, S. 135. Die Geschichte von Frithjof dem KĂŒhnen. Ăbersetzt von Gustaf Wenuz. Jena 1922, S. 35.
cite-note-6060. â Kap. 7: SĂðan réðust ĂŸeir Ă hernað, Ingimundr ok GrĂmr, ok fĂłru vel með vĂkingskap sĂnum ⊠(Darauf zogen sie auf Heerfahrt, Ingimund und Grim, und hielten sich wacker auf ihrem Wikingzuge.)
cite-note-6161. â âDie Normannen zeichnen sich vorzĂŒglich durch den romantischen Schwung ihres Geistes aus, der sich selbst im Charakter ihrer Eroberungen zeigt.â Friedrich Schlegel: Ăber die neuere Geschichte. Vorlesungen gehalten zu Wien im Jahre 1810. Wien 1811, S. 193 f.
cite-note-6262. â Heimskringla: Haralds saga hĂĄrfagra Kap. 24. Im Ălteren VĂ€stgötalag heiĂt es in OrbĂžtĂŠ mal: ĂŸĂŠt ĂŠr niĂŸingsvĂŠrk ⊠hĂŠriĂŠr a sit eghit land firir giort iord lansuist ok lĂžsum Ăžrum (Das ist Neidingswerk ⊠heert man in seinem eigenen Land; [man verwirkt] sein Land, Landesverweisung und Vermögen)
cite-note-6363. â âZu gleicher Zeit erschienen hĂŒben an allen Grenzen unwiderstehlich, zu Pferd, mit ihren Pfeilen die Ungarn, und drĂŒben an allen KĂŒsten, gleich kĂŒhn zu See und zu Land, zugleich Wikinger und AskemĂ€nner, die Normannen.â Geschichten der romanischen und germanischen Voelker von 1494 bis 1535. Leipzig/Berlin 1924, S. XXII und in anderen Werken.
cite-note-6464. â Grimm: Wiking.
cite-note-6565. â RĂ©gis Boyer: Die Piraten des Nordens. Leben und Sterben als Wikinger. Stuttgart 1997. Innere Umschlagsseite.
cite-note-6666. â Frands Herschend, RGA Band 34, Stichwort Wikinger.
cite-note-6767. â Ruprecht, S. 64.
cite-note-6868. â The Battle of Maldon Vers 149: Forlet ĂŸa drenga sum daroð of handa (Da warf ein Krieger den Speer mit der Hand).
cite-note-6969. â Ruprecht, S. 65.
cite-note-7070. â So der Skalde GuĂŸorm Sindri in Heimskringla. HĂĄkonar saga góða. Kap. 8.
cite-note-7171. â Ruprecht, S. 68.
cite-note-7272. â DR 1: ĂĂłrulfr reisti stein ĂŸenna, heimĂŸegi Sveins, eptir EirĂk, fĂ©laga sinn, er varð dauðr, ĂŸĂĄ drengjar sĂĄtu um HeiðabĂœ; en hann var stĂœrimaðr, drengr harða góðr. Thorulf, Svens Gefolgsmann, errichtete diesen Stein nach seinem fĂ©lagi, der den Tod fand, als die drengir Haithabu belagerten. Er war SchiffsfĂŒhrer, ein sehr edler drengr.
cite-note-7373. â U 922 (spĂ€tes 11. Jahrhundert): Ingimundr ok ĂĂłrðr, Jarl ok VĂgbjĂŽrn(?) lĂ©tu reisa stein at Ingifast, fÎður sinn, stĂœrimaðr, sem fĂłr til Grikkja Ășt, sonr âionhaâ, ok at ĂgulbjĂŽrn. En Ćpir risti. (Ingimund und Ăorð, Jarl und Vigbjörn lieĂen den Stein errichten nach Ingifast, ihrem Vater, dem SchiffsfĂŒhrer, der nach Griechenland fuhr, Sohn ionha(?) und nach Igulbjörn. Ăpir ritzte.)
cite-note-7474. â Sm 42: Tumi reisti stein ĂŸenna eptir Ăzur, bróður sinn, ĂŸann er var skipari Haralds konungs. (Tumi errichtete diesen Stein nach Assur, seinem Bruder, der der SkĂpari König Haralds war.)
cite-note-7575. â SĂ 171: Ingifastr lĂ©t hĂŽggv[a] ste[i]n eptir Sigvið, fÎð[u]r sinn. Hann fell Ă Holmgarði, skeiðar vĂsi með ski[pa]ra. (Ingifast lieĂ diesen Stein meiĂeln nach Sigvið, seinem Vater. Er fiel in Holmgard (Nowgorod) als FĂŒhrer eines Langschiffs mit all seinen Skipari.)
cite-note-7676. â Zettel, S. 33.
cite-note-7777. â Zettel, S. 35.
cite-note-7878. â Zettel, S. 40.
cite-note-7979. â So z. B. in den âReichsannalenâ zu den Jahren 813 und 827, 828. Weitere Beispiele bei Zettel, S. 43.
cite-note-8080. â Zettel, S. 48 mit weiteren Nachweisen.
cite-note-8282. â Heimskringla. Ălafs saga helga. Kap. 50.
cite-note-8383. â Maurer S. 74.
cite-note-8484. â Boyer, S. 57: âDie frĂ€nkischen, irischen und angelsĂ€chsischen Annalenschreiber und Chronisten ĂŒbergehe ich hier ⊠Ihre Parteilichkeit ist einfach zu augenfĂ€llig, dass wir sie nicht fĂŒr ernstzunehmende Zeitzeugen halten.â Mit dieser Bemerkung wird das gesamte Quellenmaterial ĂŒber die Wikinger im Frankenreich und in England vom Tisch gewischt, was in seiner PauschalitĂ€t eine Verschwörungstheorie ĂŒber ein Negativbild sehr nahekommt.
cite-note-8585. â Böldl, S. 698.
cite-note-8686. â Böldl, S. 702.
cite-note-8787. â Cartularium Saxonium II. Nrn. 447, 483. Zettel, S. 117.
cite-note-8888. â Böldl kann in seiner Darstellung S. 698 nicht die stereotype Relativierung der Quellen als âtendenziösâ vermeiden, obgleich er keine Gegeninformationen vorweisen kann. Die Berichte der Ăberlebenden von GrĂ€ueln des 20. Jahrhunderts wurden anders als die der Wikingerzeit bislang von seriösen Historikern nicht als âtendenziösâ abgewertet.
cite-note-8989. â Zettel, S. 128 f. mit vielen Beispielen aus den Quellen.
cite-note-9090. â So Askeberg, S. 1.
cite-note-9191. â Bei den unterschiedlichen AusdrĂŒcken handelt es sich um Handschriftvarianten.
cite-note-9292. â Askeberg, S. 143.
cite-note-931. Askeberg, S. 143 f.
cite-note-9494. â Zettel, S. 203 mit weiteren Nachweisen.
cite-note-9595. â Zettel, S. 179.
cite-note-9696. â The Battle of Maldon, Verse 130 ff.
cite-note-9797. â Reginonis chronica 874.
cite-note-9898. â Zettel, S. 218.
cite-note-9999. â Heimskringla. Ălafs saga helga. Kap. 151.
cite-note-100100. â Die âReichsannalenâ zum Jahr 810.
cite-note-101101. â Die âReichsannalenâ zum Jahr 808.
cite-note-102102. â Annalen von St. Bertin fĂŒr 860 und die folgenden Jahre.
cite-note-103103. â Fried (2005), S. 76.
cite-note-104104. â Fried (2005), S. 77 unter Bezug auf Abbonis Bella Parsiacae urbis.
cite-note-105105. â Askeberg, S. 128.
cite-note-bs-211-106106. â Scheller S. 211
cite-note-rau-1072. Ăbersetzung von Reinhold Rau.
cite-note-108108. â Weitere Beispiele aus den zahlreichen Quellen bei Zettel, S. 57.
cite-note-109109. â Zettel, S. 178 f.
cite-note-110110. â Heimskringla. Haralds saga hĂĄrfagra. Kap. 35.
cite-note-111111. â Vita Anskarii Kap. 11: Multi etiam apud eos captivi habebantur christiani (Auch lebten dort zahlreiche christliche Gefangene).
cite-note-112112. â Ruprecht, S. 135: GunnkĂŠll setzte diesen Stein nach Gunnar, seinem Vater, dem Sohn Hroðis. Helgi legte ihn, seinen Bruder in einen Steinsarg in England in Bath. Ein Kreuz zeigt an, dass es sich um Christen handelt.
cite-note-113113. â Rimbert, Ansgars Leben. Kap. 30.
cite-note-nieder-1143. Ăbersetzung von Felix Niedner.
cite-note-115115. â Hermann Conrad: Deutsche Rechtsgeschichte Band I. Karlsruhe 1962, S. 107.
cite-note-116116. â Zettel, S. 156 mit Beispielen aus angelsĂ€chsischen Quellen.
cite-note-117117. â Konrad Mauer S. 68 unter Hinweis auf Asser: De rebus gestis Aelfredi zum Jahr 876, der die christlichen Reliquien erwĂ€hnt und den Anglo-Saxon Chronicle zum gleichen Jahr, welcher die Heiligen Armringe nennt.
cite-note-118118. â Zettel, S. 275.
cite-note-119119. â Zettel, S. 273 mit weiterer Literatur.
cite-note-120120. â Zettel, S. 276.
cite-note-j877-121121. â The Anglo-Saxon Chronicle zum Jahr 877.
cite-note-j880-122122. â The Anglo-Saxon Chronicle zum Jahr 880.
cite-note-123123. â Chronicon. S. 43.
cite-note-124124. â Zettel, S. 277.
cite-note-125125. â Zettel, S. 297.
cite-note-126126. â The Anglo-Saxon Chronicle zum Jahr 897.
cite-note-127127. â Annales Vedastani zum Jahr 896.
cite-note-128128. â Zettel, S. 279 f.
cite-note-129129. â Receul des Actes Charles le Simple I. Nr. 92 zitiert bei Zettel, S. 284.
cite-note-130130. â Zettel, S. 304 mit weiteren Nachweisen.
cite-note-131131. â Zettel, S. 306 f.
cite-note-132132. â Zettel, S. 305 unter Hinweis auf die Annalen des Flodoard.
cite-note-133133. â Zettel, S. 305.
cite-note-134134. â Zettel, S. 260.
cite-note-ze230-135135. â Zettel, S. 230.
cite-note-136136. â Annales zum Jahr 820.
cite-note-zitat-ze230-137137. â Zitiert bei Zettel, S. 230.
cite-note-j845-138138. â Annales Bertiniani zum Jahr 845.
cite-note-139139. â Annales Bertiani zum Jahr 852.
cite-note-140140. â Zettel, S. 231 mit weiteren Nachweisen.
cite-note-141141. â Svanberg S. 36 f.
cite-note-142142. â Capelle, S. 41.
cite-note-143143. â Zitiert bei Zettel, S. 259.
cite-note-144144. â Reginonis chronica zum Jahr 873.
cite-note-145145. â Zettel, S. 151 f. mit weiteren Beispielen.
cite-note-146146. â Zettel, S. 250 f. mit weiteren Nachweisen.
cite-note-147147. â Zettel, S. 147.
cite-note-148148. â Svanberg S. 20
cite-note-149149. â Zettel, S. 257.
cite-note-150150. â Egils saga Kap. 22.
cite-note-151151. â Heimskringla. Haralds saga grĂĄfeldar. Kap. 5.
cite-note-ze236-152152. â Zettel, S. 236.
cite-note-153153. â Reginonis chronica zum Jahr 887. Dazu Zettel, S. 236.
cite-note-154154. â Reginonis chronica zum Jahr 890.
cite-note-155155. â Zettel, S. 261 ff.
cite-note-156156. â Annales Vedastini zum Jahr 891.
cite-note-157157. â Annales Vedastini zum Jahr 885 und 888 (siehe das obige Zitat ĂŒber die Belagerung von Meaux)
cite-note-av886-158158. â Annales Vedastini zum Jahr 886.
cite-note-159159. â Zettel, S. 258.
cite-note-1604. Ăbersetzung von Konrad Maurer.
cite-note-1615. Ăbersetzung von Werner Trillmich.
cite-note-162162. â Folke Ström: Den egna kraftes mĂ€n. En studie i forntida irreligiositet. (Der Mann aus eigener Kraft. Eine Studie ĂŒber die vorzeitliche IrreligiositĂ€t.) Göteborg 1948.
cite-note-163163. â Destination Viking: Viking Routes
cite-note-164164. â Vikings â Die Wahre Geschichte. Dokumentation in sechs Folgen bei YouTube